Stadtleben : Nur Eisbär Knut war nicht da Feucht-fröhliches

Sommerfest bei Köhler

Elisabeth Binder

So ganz fiel der Tanz dann doch nicht ins Wasser. Zum ersten Mal wollte Bundespräsident Horst Köhler sein Sommerfest nach der offiziellen Verabschiedung und der farbenreichen Schlussillumination des Schlosses mit der Eröffnung einer Tanzfläche ausklingen lassen. Zuvor hatten freilich Regenstürme Pfützen auf den Flächen hinterlassen. Aber einige besonders wetterfeste Paare tanzten trotzdem zu den Klängen von „Singin’ in the Rain“.

Bei allen Wetterwidrigkeiten war es ein gelungenes Fest, was vor allem an den Gästen lag. Nirgendwo sonst konnte man in den vergangenen Partywochen so gut über wahre und falsche VIPs reflektieren wie hier, weil Horst Köhler eindeutige Schwerpunkte setzt. Von denen, die auch sonst im Hauptstadt-Networking aktiv sind, waren vor allem die ganz Wetterfesten gekommen: Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, Bremens Staatsrätin Kerstin Kießler, der oberste Lobbyist der Katholiken, Karl Jüsten.

Deutlich in der Mehrzahl unter den Gästen waren diejenigen, die Horst Köhler für „very important“ hält: Menschen, die offen sind für Integration, sei es, dass sie sich für andere engagieren, sei es, dass sie sich trotz schweren Schicksals in die Gemeinschaft einbringen. Dazu zählt Andrea Zimmerer, die 1991 durch Krebs ein Bein verlor und im Rollstuhl sitzt. Zuvor war sie Tischtennis-Nationalspielerin. Lange rührte sie keinen Schläger mehr an. Seit zwei Jahren ist sie wieder dabei und hofft, dass sie sich für die Paralympics in Peking qualifiziert. Für Andrea Eskau steht die Teilnahme bei den Paralympics nicht infrage. Bis sie nach einem Radunfall im Rollstuhl landete, war die Thüringerin Triathletin. Heute ist sie Marathon-Weltrekordhalterin im Handbike. Ebenfalls im Bellevue: Knut-Pfleger Thomas Dörflein mit Freundin.

An einem Stehtisch erholte sich die Brenz Band von ihrem Auftritt. Neun der 16 Bandmitglieder sind behindert, zum Teil mehrfach. Von der Unesco seien sie ausgezeichnet worden als „Künstler des Friedens“, erzählte einer von ihnen stolz. Und ein anderer betonte, dass sie aus der Heimatstadt des Bundespräsidenten kämen. „Der liebt uns“, fügte ein junger Mann mit Downsyndrom hinzu.

Als die No Angels „Daylight in Your Eyes“ spielten, rollte „Justinblack“ mit seinem Rollstuhl aus dem regensicheren Zelt auf den nassen Rasen. Seit der Geburt leidet der 22-Jährige, der nur seinen Künstlernamen preisgeben will, an spinaler Muskelathropie, trotzdem hat er beim Talente-Campus der Berlinale einen Film über „Aufmerksamkeit“ vorgestellt.

Im Park leuchtete eine weiße Säule, auf der in roten Lettern „liebe“ steht, darunter, wofür sie stehen kann: „Gemeinsinn“ oder „Zusammengehörigkeitsgefühl“. Im Zelt zeigten Maximilian, Michelle und Marvin für das von der Bundesdruckerei geförderte Projekt „Sport statt Gewalt“ ihre Karatekünste. Großer Jubel, als Henry Maske für ein gemeinsames Foto posierte. Die Kinder fanden das Fest einfach toll. Elisabeth Binder

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