O2-Arena : Die erste Million am Mauerstreifen

Beliebt bei Stars und Fans: Die Arena an der East-Side-Gallery ist seit einem halben Jahr eine feste Größe in der Konzertlandschaft. Doch in Kreuzberg sind die Anwohner weniger begeistert von der Halle.

Matthias Jekosch
Mediaspree
Die O2 World, die Heimarena der Eisbären Berlin ist beim Eishockey meistens gut gefüllt.Foto: dpa

BerlinEs war eine kleine Geschichte in einer großen Halle, aber eine besondere war sie trotzdem. Vor allem für Larissa Laternser, 28, eine Unternehmerin aus dem bürgerlichen Steglitz, die schon lange große Pläne für ihren „Bierpinsel“ an der Steglitzer Schloßstraße hat, aber das nur am Rande. Larissa Laternser jedenfalls war vor einigen Tagen zu Gast bei den Eisbären und damit die millionste Besucherin der neuen O2-Arena in nur gut einem halben Jahr. Einen Blumenstrauß bekam sie überreicht und ein paar VIP-Karten.

Es ist eben eine Halle für alle, für Ost und West, gelegen in der neuen Mitte der Stadt, mit 17.000 Sitzplätzen so groß, wie keine andere in Berlin zuvor war. „Die Arena hat sich schnell auf dem Veranstaltungsmarkt etabliert“, meint Moritz Hillebrand, der Sprecher der Anschutz Entertainment Group (AEG). Die AEG ist Bauherrin und rühmt die Vorzüge des 165 Millionen Euro teuren Projekts. Sie sei eine der modernsten Arenen in Europa mit guter Akustik und Technik. Deshalb spielen dort ja nicht nur die Eisbären in der Halle und auch nicht nur die Basketballer von Alba – am Wochenende waren mehr als 11.000 Fans bei deren Spiel –, sondern auch Musikstars wie Metallica, Tina Turner oder Alicia Keys. Wo hätten sie denn vor ein paar Jahren in Berlin auftreten können?

Superstars – genau die will die AEG in die Stadt locken. Auch beim Musikpreis Echo und bei der Fernsehshow „Wetten, dass..?“ waren viele zu sehen. „Mit der Halle ist es deutlich einfacher geworden, die Stars nach Berlin zu holen“, sagt Detlef Kornett, der Deutschlandchef der Anschutz-Gruppe. Und auch die Besucher kommen nicht mehr nur aus der Stadt, sondern aus dem ganzen Land. Und während viele Geschäftsleute früher ein gewisses Ambiente bei den Spielen der Eisbären im charmanten, aber maroden Wellblechpalast in Hohenschönhausen vermisst haben, kommen sie nun in den VIP-Suiten auf ihre Kosten: Von den 59 Logen sind derzeit 55 über drei Jahre vermietet. Der Einstiegspreis liegt bei 100.000 Euro.

Die Arena ist ein Anziehungspunkt geworden, und das in einer Gegend, die früher brach lag. Frachtgüterbahnhof, Betonmischwerk, „das war hier nicht das Paradies“, sagt Kornett. All die Clubs und Strandbars, auch die gab es ja erst später.

Im Herbst 2006 wurde der Grundstein für die Arena gelegt, zwei Jahre später war sie fertig. Ein umstrittener Solitär am Ufer der Spree, das später einmal in einem neuen Stadtviertel liegen soll, umgeben von Bars, Theatern, Hotels, Wohnungen und Büros. Kornett geht davon aus, dass die Entwicklung etwa zehn Jahre dauern wird.

Viele Anwohner, vor allem auf Kreuzberger Seite, haben sich über den neuen Nachbarn beschwert. Der Koloss ist grell erleuchtet, permanent flackern Werbebotschaften an der LED-Fassade auf und erleuchten so die Nacht. Weil Autonome immer wieder kleinere Anschläge verübten, wurde ein Wachschutz für das Werbeschild am Hafenanleger – direkt hinter der East-Side-Gallery – engagiert. Doch der Ärger sei „deutlich geringer geworden“, sagt Kornett und glaubt: Die Akzeptanz sei gestiegen.

Die Arena hat es geschafft, die tief im Osten verankerten Eisbären im neuen Berlin zu etablieren und auch die Klientel aus dem tiefen Westen anzulocken, so wie eben Larissa Laternser, die millionste Besucherin. Die Eisbären haben ihren Zuschauerschnitt verdreifacht, das freut die Kasse des Klubs. Die Begeisterung für die Halle erfreut aber auch das Personal. 1000 Berliner haben einen Job gefunden und machen sauber, verkaufen Drinks oder sind zuständig für die Sicherheit. In eine Umfrage des Instituts „Sport und Markt“ wird der Service und die Freundlichkeit gelobt.

Komiker Mario Barth kommt am 9., 10. und 11. September – an allen drei Tagen ist die Arena ausverkauft. Aber keine Panik: 2010 tritt er noch mal auf.

Am 21. November spielt Udo Jürgens in der Arena – eine von insgesamt 130 Veranstaltungen in diesem Jahr.

Einer der Höhepunkte ist das Konzert am 8. Mai von Beyoncé.

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