Obamas Sieg : Ganz viel Hoffnung

Politiker und Prominente haben die US-Wahl verfolgt - und eine klare Meinung zum Ausgang. Der Regierende Bürgermeister hat den designierten US-Präsidenten Barack Obama gleich zu einem Besuch eingeladen.

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Nacht der Emotionen. In der Telekom-Präsenz, wohin die US-Botschaft und der Tagesspiegel in der Wahlnacht geladen hatten, wurde...Foto: Kai-Uwe Heinrich

So viel Freude zeigen Politiker sonst eigentlich nur, wenn sie selbst gerade eine Wahl gewonnen haben. Für Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) ist „Obamas Erdrutschsieg eine große Freude“, Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) empfindet „riesengroße Erleichterung“ und sieht die „Ära der Neokonservativen am Ende“. Und Klaus Wowereit (SPD) hat Obama gleich in einem Glückwunschschreiben gratuliert und den kommenden Präsidenten zu einem weiteren Berlinbesuch eingeladen. „Ich würde mich freuen, wenn Sie die ausgezeichneten Kontakte möglichst bald mit ihrem nächsten Besuch vertiefen würden“, schrieb der Regierende an Obama.

Auch Friedbert Pflüger, Ex-CDU-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, äußerte sich schon am frühen Morgen erfreut über den Sieg des demokratischen Kandidaten: „Er kann das Bild Amerikas in der Welt verbessern.“ Sein Nachfolger Frank Henkel gibt dagegen zu bedenken, dass sich erst noch zeigen müsse, „wie sich Obamas Politik gestaltet und was sie für Deutschland bedeutet“. Der Wahlsieger sei für ihn bislang „ein Mysterium“, sagt Henkel. Recht unterschiedlich fallen die Reaktionen der Fraktionschefs von Grünen und FDP aus: Während der Grüne Volker Ratzmann das Wahlergebnis für ein „Symbol für Veränderung und Hoffnung“ hält, kann Martin Lindner „den allgemeinen Obama-Hype nicht teilen“. Allerdings freue er sich darüber, dass der Welt nun eine Vizepräsidentin Sarah Palin erspart bleibe.

Auch bei den Kulturschaffenden dominiert kurz nach Bekanntwerden des Wahlausgangs die Freude: Regisseur und Produzent Volker Schlöndorff hat die ganze Nacht Barack Obama die Daumen gedrückt, wollte zwischendurch gar zur symbolischen Unterstützung „eine Kerze anzünden“. Der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, genießt es, dass „nach acht Jahren Leiden unter Bush“ nun womöglich ein „neues Zeitalter“ beginnt. „Ich war noch nie zuvor innerlich so beteiligt an einer US-Wahl.“

Italiens Botschafter in Berlin, Antonio Puri Purini, kann berichten, dass die Obama-Begeisterung nicht nur in Deutschland zu spüren ist. „In ganz Europa herrscht unglaubliche Aufregung“, auch in Rom habe es diverse Wahlpartys und ausgelassene Stimmung gegeben. Botschafter a.D. Bernhard von der Planitz stimmt dem zu: „Es ist ein globales Event.“

Der Chef des Deutschen Historischen Museums, Hans Ottomeyer, der in den Vereinigten Staaten oft Vorträge über französische Kunst hält, hofft vor allem für seine amerikanischen Freunde auf die große Wende: „Die haben zum Schluss gar nicht mehr über ihr Land gesprochen, weil sie sich davon zu sehr bedrückt fühlten.“

Autorin Gertrud Höhler, die gerade ein Buch über erfolgreiche Frauen veröffentlicht hat, schwärmt: „Die Amerikaner hätten eine Frau wählen können, aber nun gehen sie darüber noch einen Schritt hinaus, indem sie einen Schwarzen wählen.“ Dabei musste laut Höhler schließlich „viel mehr Fremdheit überwunden“ werden – da es in den USA schon früh eine starke Frauenbewegung gegeben habe. Der langjährige deutsche Botschafter in Washington, Jürgen Chrobog, erwartet, dass sich nun endlich auch der Umgang mit kleineren Staaten ändern wird und dass man diese stärker in politische Entscheidungen einbindet.

Und Peter Eigen, führender Antikorruptionskämpfer und heute Ehemann der Kandidatin fürs Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, hat ebenfalls Grund zur Freude. Schließlich leben seine drei erwachsenen Kinder in den USA und haben in den vergangenen Monaten für Barack Obama gekämpft. Auch Kathleen King von Alvensleben gratuliert, obwohl sie McCain-Anhängerin ist. Die Amerikanerin, die in den USA regelmäßig große Fundraising-Events für das Berliner Schloss veranstaltet, nimmt es sportlich: „Der Beste soll schließlich gewinnen.“

Die meisten Berliner Politiker, Kulturschaffenden und Diplomaten, die sich gleich nach dem Wahlsieg Obamas zu Wort gemeldet haben, machen sich Gedanken darüber, wie viel von seinem Programm der nächste Präsident tatsächlich umsetzen kann. Ein wichtiger Punkt, sagt auch Berlins SPD-Chef Michael Müller. Aber man müsse auch sehen, dass Obama einen ersten Erfolg bereits verbucht habe: „Er hat es geschafft, eine neue Begeisterung und Interesse an Politik zu entfachen – das ist ein Gewinn nicht nur für die Demokraten, sondern auch für die Demokratie.“ Tsp/dpa

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