Offene Tür : Die Regierung rollt den Teppich aus

Am Wochenende öffnen sich wieder die Türen im Kanzleramt und in 13 Ministerien. Der Bürger kann dort auch Dienstwagen testen. Ulla Schmidt ist dieses Mal nicht dabei.

Daniela Martens
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Vor dem Zentrum der Macht. Zahlreiche Dienststellen der Bundesregierung – wie hier das Presse- und Informationsamt – laden zum...dpa

Klettern im Bundespresseamt, Gymnastik im Gesundheitsministerium und Käse naschen im Landwirtschaftsministerium: Am Wochenende darf der Bürger wieder zwei Tage lang den Berliner Olymp betreten: Die Bundesregierung öffnet die Türen des Kanzleramtes und von 13 Ministerien am Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist nur am Sonntag zu besichtigen. 462 Einzelveranstaltungen stehen auf dem Programm.

Knapp 165 000 Besucher nahmen die „Einladung zum Staatsbesuch“, wie die Veranstaltung offiziell heißt, im vergangenen Jahr wahr. Auch in diesem Jahr erwarte man wieder weit über 100 000 Gäste, heißt es im Bundespresseamt. Dass auch die Leichathletik-Weltmeisterschaft stattfinde, sei kein Problem. Zwei Großereignisse gleichzeitig könne man „gut verkraften“. Einziger Nachteil für den „Staatsbesuch“: Die Busse, die die Gäste hin- und herfahren, können wegen der Marathonläufe am Wochenende nicht alle Ministerien direkt ansteuern (siehe Grafik sowie Bericht Seite 8).

Trotzdem hat jeder Gelegenheit, die Damen und Herren Minister zu treffen – viele Chefs werden ihren Staatsbesuch tatsächlich selbst empfangen. Eine der wenigen, die nicht da sein werden, ist Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Da gebe es wohl Terminüberschneidungen, heißt es vage. Im vorigen Jahr gab es solche Probleme nicht – jetzt mag sie vielleicht nicht ständig über Autos reden.

Einen richtigen Dienstwagen können die Besucher immerhin im Auswärtigen Amt begutachten – sogar eine ganze Wagenkolonne wie sie auch bei Besuchen von Außenministern zu sehen ist. Und jede Menge andere Fortbewegungsmittel kann man in verschiedenen Ministerien sogar selbst ausprobieren – allerdings meist nur in einer Simulation: Im Innenministerium darf zum Beispiel getestet werden, wie man in einem Bob durch Eiskurven saust. Und im Verkehrsministerium steht ein Flugsimulator. Überhaupt sind viele der Veranstaltungen zum Mitmachen: Im Gesundheitsministerium stehen etwa „Bewegungsübungen zu Musik mit dem Goldmedaillen-Gewinner im Zehnkampf Christian Schenk“ auf dem Programm. Im Forschungsministerium erklärt die Maus aus der gleichnamigen Fernsehsendung den Kindern, wie sich Astronauten waschen. Im Ministerium für Arbeit und Soziales kann man in völliger Dunkelheit seinen Hunger stillen. Getränke gibt es zum Beispiel im Landwirtschaftsministerium. Dort finden Cocktailshows statt. Und wenn man schon mal in Partystimmung ist, braucht man auch Musik dazu: Zu hören sind etwa persischer Hip Hop im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das Marinemusikkorps „Nordsee“ und die Bigband der Bundeswehr im Verteidigungsministerium. Dort treten neben Nahkampfexperten auch Taekwondo-Sportler, Trampolinspringer, Gewichtheber und Kunstturner auf. Und im Familienministerium sind Breakdance-Einlagen zu sehen. Um all das zu erleben, brauchen Besucher nur ihren Personalausweis – an den Eingängen wird das Dokument kontrolliert. Auch Flüssigkeiten und gefährliche Gegenstände sollten die Gäste nicht mitbringen auf den „Olymp“.

Weitere Informationen unter

www.einladung-zum-

staatsbesuch.de

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