Operette : „My Fair Lady“ feiert Premiere

Spaniens Blüten blühen wieder. Die Operette „My Fair Lady“ feiert morgen Erstaufführung an der Friedrichstraße. Und wieder muss die Hauptfigur Eliza Doolittle berlinern.

Daniela Martens
"My Fair Lady" Foto: dpa
Professor Higgins (gespielt von Daniel Morgenroth) wagt ein Tänzchen mit Eliza Doolittle (Franziska Forster).Foto: dpa

Die Sache mit Amy Winehouse hat sich dann doch erledigt. Und das liegt an Franziska Forster. Haarfarbe: braun; Augenfarbe: grün; Dialekt: Berlinerisch – steht in ihrem Schauspielerinnen-Lebenslauf gleich zu Anfang.

Ursprünglich stellte sich Regisseur Peter Lund nämlich Eliza Doolittle wie die britische Sängerin Winehouse als „bezaubernde Schlampe“ vor – als die Proben zu seiner Inszenierung der Operette „My Fair Lady“ im Admiralspalast begannen. Doch dann wurde Franziska Lessing, die eigentlich die weibliche Hauptrolle spielen sollte, krank. Und Franziska Forster, die im April als Finalistin bei der Castingshow „Musical Showstar“ im ZDF zu sehen war, betrat die Probenbühne. „Amy Winehouse passte überhaupt nicht zu mir. Auch wenn sie großartige Musik macht, ist sie ein Crackjunkie und nicht, wie ich mir Eliza vorstelle: vor Lebenslust übersprudelnd.“

So könnte man auch Franziska Forster beschreiben. Sie sagt Wörter wie „Supertoll“ und Sätze wie: „Ich weiß, es klingt langweilig, aber ich freue mich so irrsinnig auf die Aufführungen.“ Und hört sich dabei so fröhlich an, dass man ihr die Begeisterung glaubt. Sie sieht die Dinge eben positiv. Auch, dass sie im letzten Moment, vier Wochen vor der Premiere am 31. Juli, eingesprungen ist: „Manchmal ist es besser, wenn man nicht so viel Zeit hat. Dann bimst man die Rolle ganz schnell in den Kopf rein.“

Kurz vor der Generalprobe ist sie aber doch ein bisschen nervös: „Es ist ja auch keine leichte Rolle. Schließlich müssen die Zuschauer mir die Verwandlung vom Gossenmädchen zur Lady, vom Proll zu Schickimicki-Frau auch abkaufen.“ Damit hat sie die altbekannte Pygmalion-Geschichte schon ziemlich gut zusammengefasst: Der Sprachwissenschaftler Professor Higgins wettet mit einem Freund, dass er aus der ungebildeten Blumenverkäuferin Eliza eine Dame der Gesellschaft machen kann – indem er ihr den Dialekt der Unterschicht austreibt. In der deutschen Version des Stücks ist das meistens breitestes Berlinerisch. Kein Problem für Franziska Forster: Sie ist 1973 in Wilmersdorf geboren, in Tiergarten aufgewachsen und wohnt heute mit ihrem Freund und ihrer kleinen Tochter in Friedenau. „Ich berlinere automatisch, wenn ich müde bin, mich entspanne oder mit anderen Berlinern rede.“

Und auch sonst passe die Rolle der Eliza gut zu ihr: „Ich habe auch so etwas Poltriges, Lautes“, sagt sie lachend. „Jetzt bin ich ja nicht gerade nett zu mir. Aber ich bin nun mal kein introvertiertes, zartes Mäuschen.“ Kein Problem also für sie, auf der Bühne gegen den arroganten Professor Higgins zu rebellieren. Der wird von Daniel Morgenroth gespielt: „Ich habe jetzt das passende Alter erreicht“, sagt der Schauspieler, der schon in Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, aber auch am Deutschen Theater Berlin zu sehen war. Als er das Rollenangebot bekam, habe er im ersten Moment gedacht: „So ein staubiges Stück muss nicht unbedingt sein.“ Aber dann sei ihm aufgefallen, wie sozialkritisch der Stoff sei: „Higgins’ Mittel sind so was von unlauter“, sagt er über seine Rolle. „Das ist auch heute noch eine brisante Frage: Wie weit geht eine politische Kaste, um einen Menschen nach ihrem Bilde zu formen?“ Die Operette sei gar kein schlechtes Genre, um brisante Themen aufzugreifen. „Man lacht über etwas mit ernstem Hintergrund, und am Ende haben alle gelernt: So geht es nicht“, sagt Regisseur Peter Lund. Er findet, das Stück sei eine „grandiose Komödie“. Er habe es gehörig entstaubt, sagen sowohl Franziska Forster als auch Daniel Morgenroth. Es gebe keinen einzigen kitschigen Moment in seiner Inszenierung, verspricht der Regisseur, der sonst an der Neuköllner Oper arbeitet. Für ihn ist My Fair Lady eine Mischung aus Aschenputtelmärchen und brillanter Kapitalismuskritik.

Für Thomas Lüdecke von der Geschäftsführung hingegen ist das Stück vor allem die erste große Eigenproduktion des Admiralpalastes. Und: „Eine Brücke zwischen damals und heute: Die Lady war ja schon mal hier.“ Damals, zu DDR-Zeiten, als der Admiralspalast noch Metropol-Theater hieß.

31.7. bis 7.9. im Admiralspalast, Friedrichstraße 101, Karten 26 bis 79 Euro unter Tel. 4799 7499; www.admiralspalast.de

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