Organspenden : Sie verschenken ihr Herz an andere

Samstagabend jobben Jürgen Vogel, Daniel Brühl und Til Schweiger im Club Relais, als Türsteher, Barkeeper und Garderobisten. Der Organspendeverein "Junge Helden" feiert - für den guten Zweck.

Sonja Pohlmann
Vogel und Brühl
Lustig sein und Leben retten. Jürgen Vogel und Daniel Brühl wissen, wann es Zeit ist, Flagge zu zeigen. -Foto: ddp

BerlinFast sieht es so aus, als müsste man sich um Jürgen Vogel, Til Schweiger und Daniel Brühl Sorgen machen. Die drei Schauspieler arbeiten jetzt als Türsteher, Barkeeper und Garderobisten – aber nicht etwa, weil sie ihren Job verloren haben. Sie wechseln am Samstagabend im Club Relais an der Köpenicker Straße nur ausnahmsweise ihren Arbeitsplatz, um sich für einen guten Zweck zu engagieren: für den Verein „Junge Helden“. Der Verein will das Thema Organspende in der Gesellschaft präsenter machen und vor allem Jugendliche darüber besser aufklären. Um das zu können, braucht der Verein Aufmerksamkeit – und die ist mit solchen Partys, bei denen Schauspieler wie Vogel, Schweiger und Brühl hautnah zu erleben sind, selbstverständlich garantiert. Für zehn Euro kann ab 22 Uhr jeder mitfeiern. Der Erlös geht an den Verein.

Dass die Promis überhaupt mit dabei sind, liegt an Claudia Kotter. Sie ist schon lange mit Jürgen Vogel befreundet. Vor fünf Jahren bekam der Schauspieler mit, dass es ihr immer schlechter ging. Seit ihrer Kindheit lebt Claudia Kotter, heute 28, mit einer Autoimmunerkrankung, Sklerodermie genannt. 2003 konnte sie immer schlechter atmen, keine drei Schritte mehr gehen, ohne dass ihr die Luft ausging. Sie brauchte eine Transplantation. Doch es gab zunächst keine Spenderlunge für sie. Vier Jahre musste Claudia Kotter warten, lag davon eineinhalb Jahre am Stück im Krankenhaus, bevor sie im vergangenen Jahr endlich operiert werden konnte. So wie damals Claudia Kotter warten heute 12 000 Menschen darauf, dass sie ein lebensrettendes Organ bekommen. Nur etwa zwölf Prozent der Menschen in Deutschland besitzen einen Spenderausweis. „Auch meine Freunde und ich haben uns das erste Mal intensiv mit dem Thema durch meine Krankheit auseinandergesetzt“, erinnert sich Claudia Kotter. „Es war erschreckend, wie wenig wir darüber wussten.“

Dass das Thema so wenig präsent in der Gesellschaft ist, liegt nach Jürgen Vogels Ansicht daran, dass sich „ die meisten Menschen nicht gerne mit dem eigenen Tod beschäftigen.“ Er kann Berührungsängste mit dem Thema Organspende zwar nachvollziehen, „aber die Ängste verflüchtigen sich sehr schnell, wenn man sich einmal ernsthaft mit der ärztlichen, beziehungsweise der medizinischen Vorgehensweise bei einer Organspende beschäftigt“, sagt er. Genau dabei wollen sie „Junge Helden“ helfen.

Besser selbst entscheiden als es Angehörigen zu überlassen

Etwa 20 Mitglieder organisieren heute den Verein. Auf ihrer Website www.junge-helden.org erklären sie beispielsweise, dass man den Organspendeausweis in Apotheken, Arztpraxen oder Krankenhäusern bekommt oder ihn gleich von der Seite herunterladen kann. Und dass man auf dem Ausweis auch „nein“ zur Organspende ankreuzen kann. „Es ist besser, zu Lebzeiten eine eigene Entscheidung zu treffen, als sie nach einem Hirntod den Angehörigen zu überlassen“, sagt Claudia Kotter, die die Transplantation gut überstanden hat und sich heute wieder frei bewegen kann.

Ein „Held“ ist für sie und ihre Vereinskollegen nicht nur jemand, der sich für eine Organspende entscheidet. „Für uns ist jeder heldenhaft, der Verantwortung übernimmt für das eigene Handeln und das eigene Leben“, sagt Vogel.

Mit einer großen Kinokampagne und Pappaufstellern hat er im vergangenen Jahr bundesweit für den Verein und die Auseinandersetzung mit dem Thema Organspende geworben. Selbstverständlich hat er auch einen Ausweis. „Ich finde den Gedanken sehr schön, dass ich durch meinen Tod vielleicht einmal Leben weitergeben kann“, sagt er. Seine berühmten Kollegen musste er nicht lange bitten, sich für den Verein zu engagieren. Auch Sarah Kuttner, Jasmin Gerat, Benno Fürmann, Florian Lukas, Richy Müller, Minh-Khai Phan-Thi, Mareile Höppner, Klaas Heufer-Umlauf und Loretta Stern werden bei der Party mit dabei sein. An den Plattentellern sollen die Beatsteaks, DJ Superfitness (Virginia Jetzt!) ,Viva-Moderator Jan Köppen und Dirk Dreyer stehen. Und vielleicht schaut auch noch Prominenz aus Hollywood vorbei. „Til wollte vielleicht Brad Pitt überreden, mitzukommen. Mal sehen, ob ich den reinlasse“, sagt Vogel, der sich auf seinen Job als Türsteher freut.

Die Party „Ein Relais voller Helden“ steigt Sonnabend im Relais, Köpenicker Straße 126 in Mitte. Los geht’s ab 22 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro. Infos unter www.junge-helden.org

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