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Ostalgie : Stasi-Kneipe "Zur Firma": Lustig oder geschmacklos?

06.08.2008 00:00 UhrVon Philipp Hauner
stasi-kneipeBild vergrößern
Wirt Wilfried Gau zeigt einen "IM-Ausweis". - Foto: dpa

Geschredderte Täterakten und IM-Ausweise für Stammgäste: Die Lichtenberger Kneipe "Zur Firma" setzt auf Stasi-Ostalgie. Geschmacklos, meint die Birthler-Behörde. Darf man Witze über das Unrecht der DDR machen? Diskutieren Sie mit!

Jetzt ist auch noch ein Kamerateam der britischen BBC da – als ob es nicht schon genug Rummel um die neue Lichtenberger Kneipe „Zur Firma“ gäbe. „Ihr kleines Lokal ist bestimmt bald weltbekannt“, meint die Reporterin in gebrochenem Deutsch. Wirt Wilfried Gau lacht beglückt, während sich sein Stammgast Klaus im Hawaiihemd anschickt, mit einem mahnenden Blick schnell hinzuzufügen: „Der ist so beschäftigt mit Werbung, das lässt ihm überhaupt keine Zeit zu arbeiten!“

Inzwischen fallen über die Kneipe mit dem vielsagenden Beinamen „Der konspirative Treff“ nun auch ausländische Reporterteams in Scharen her. Dabei ist die Geschichte der Kneipe eigentlich schnell erzählt: Wilfried „Willi“ Gau, 60 Jahre alt, und sein Kompagnon Wolfgang Schmelz, 53, eröffneten vor einem Monat die Pinte in der Lichtenberger Normannenstraße und tauften sie auf den Namen „Zur Firma“.

Über dem Eingang hängt ein Schild mit dem Spruch: „Kommen Sie zu uns – sonst kommen wir zu Ihnen!“ Die Kneipe befindet sich in der Normannenstraße. Dort, wo der Hauptsitz des Ministeriums für Staatssicherheit war.

In der Kneipe finden sich in jeder Ecke Devotionalien aller Art: Vom Tesla-Abhörgerat über Wehrdienstausweise der Deutschen Demokratischen Republik bis zur Schaufensterpuppe in Uniform der DDR-Bereitschaftspolizei. Aber auch bunte FDJ-Hemden sind zu sehen, jeden Abend läuft die Platte „Unser Zeichen ist die Sonne“. Und wer Stammgast werden will, muss eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, in der er sich dazu bekennt „dem Restaurant Zur Firma, bedingungslos und treu zu Diensten zu sein.“ Dann ist man inoffizieller Mitarbeiter und bekommt ein Kärtchen zugesteckt, auf dem „IM-Ausweis“ steht.

All das hat Verwirrung geschaffen. „Diese Kneipenidee ist an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten“ empörte sich die Stasi-Beauftragte Marianne Birthler etwa in der „Leipziger Volkszeitung“. Andere warfen ihm vor, die DDR-Geschichte zu verherrlichen.

Die Vorwürfe kann Kneipier Wilfried Gau nicht verstehen. Er räumt zwar ein, provozieren zu wollen, aber „nicht auf Kosten der Stasi-Opfer“, sagt er. „Die hier ausgestellten Objekte sind völlig wertfrei präsentiert.“ Und er versichert weiter, „vorab mit etlichen Leuten“ über seine Idee gesprochen und angeblich kaum negatives Echo vernommen zu haben. „Zu DDR-Zeiten sind die meisten Witze über die Stasi gemacht worden“, sagt er, „diese Tradition wollen wir pflegen“. Und überhaupt: Nach 20 Jahren könne man eigentlich die Stasi ad acta legen, meint er, das sei ein weiterer Grund, wieso er die ganze Aufregung nicht verstehe. Bei der Stasi selbst waren die beiden Betreiber ja auch nicht, sagen sie.

Stammgast Klaus hat sich seine eigenen Gedanken gemacht und formuliert es so: „Die Kneipe ist doch gerade deswegen eine gute Idee, weil sie die Erinnerung an den Unrechtsstaat wach hält.“ Dann nimmt er einen tiefen Schluck aus seinem Pilsglas und sieht seinen Tresennachbarn an. Der meint mit stoischem Blick: „Das Ganze ist doch einfach eine Eulenspiegelei.“

Willi Gau will übrigens auf Birthlers Vorwurf antworten. Er schließe seine Kneipe sofort, einzige Bedingung sei nur, „dass ich einen Job in ihrer Behörde bekomme, mit 5000 Euro monatlich.“ Philipp Hauner

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