Ostbahnhof : Die doppelte Luftnummer

Artistische Abenteuer in luftiger Höhe: Der Cirque du Soleil kommt mit seinem neuen Programm „Varekai“ zum Ostbahnhof. Regisseur Dominique Champagne verschmilzt alte Zirkustraditionen mit der Cirque-du-Soleil-Philosophie.

Sandra Luzina
Cirque du soleil
Bunter Bilderbogen. Der Cirque du Soleil geht mit seinem neuen Programm "Varekai" bevorzugt in die Luft. -Foto: ddp

FriedrichshainEin Zauberwald, bewohnt von fantastischen Figuren. Ein anmutiger Jüngling schwebt herab, dessen Höhenflug ein jähes Ende nahm. Doch wir sind hier nicht in der griechischen Sagenwelt, in der Ikarus, der Sonne zu nahe gekommen in den Tod stürzt. Im Cirque du Soleil wird der Sturz in die Tiefe nur das Sprungbrett zu neuen artistischen Abenteuern.

Der berühmte Zirkus hat sein Grand Chapiteau wieder am Ostbahnhof aufgeschlagen. Am Donnerstag findet dort die Deutschlandpremiere von „Varekai“, dem neuen Programm, statt. 56 Artisten aus aller Welt wirken bei dem Spektakel mit, und es soll noch turbulenter zugehen als beim Vorgänger „Dralion“. Regisseur Dominique Champagne verschmilzt alte Zirkustraditionen mit der Cirque-du-Soleil-Philosophie. Bei „Varekai“ sind es vor allem die Luftnummern, die begeistern. Spektakulär ist etwa die Darbietung von Andrew und Kevin Atherton an den Aerial Straps. Die Zwillinge begeistern durch schwerelose Eleganz und perfekte Synchronisation. Nur mit einem Handgelenk an den sogenannten Strapaten befestigt, pendeln, kreiseln und fliegen sie zunächst einzeln durch die Lüfte, um sich dann zu wunderbaren Akrobatikfiguren wie dem Doppel-X zu vereinigen.

Die Briten sind keine Absolventen einer Artistenschule, sondern haben als Kunstturner angefangen. Kevin war 1998 britischer Meister an den Ringen, Andrew gewann im selben Jahr Mannschaftsgold und 1998 bei den Commonwealth Games die Silbermedaille an den Ringen. Ein Casting-Scout des Cirque du Soleil entdeckte die beiden, als sie an der Men’s Artistic World Championship teilnahmen.

Die Aussicht, ihre sportliche Karriere beim Cirque du Soleil fortzusetzen, erschien ihnen reizvoll. Doch erst vier Jahre später flogen sie tatsächlich nach Montreal, ins internationale Hauptquartier des kanadischen Unterhaltungkonzerns. Dort konnte man die Zwillinge dann überreden, erstmals gemeinsam aufzutreten. Mit einem Team aus sieben Experten tüftelten sie drei Monate an ihrem Sieben-Minuten-Act. „Es sollte eine Darbietung werden, wie es sie noch nie gegeben hat“, erläutert Kevin. Der Bruder-Act ist denn auch atemberaubend. „Ich würde die Szene mit keinem anderen Partner wagen – denn es hat viel mit Vertrauen zu tun“, sagt Andrew. Adrenalinstöße vor jedem Auftritt gehören dazu. „Das ist unsere Droge“, erklären die Zwillinge und lachen. In Federschmuck und knappen Trikots werden die Dark Angels nun auch Berlin erobern. Und dem abgestürzten Ikarus zeigen sie mal kurz, was eine Harke ist.

Cirque du Soleil am Ostbahnhof, Premieren am 5. Juni, 20 Uhr. Aufführungen bis 13. Juli, Di-Fr 20 Uhr, Sa 16 + 20 Uhr, So 14 + 18 Uhr. Kartentelefon: 34060992.

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