''Palazzo'' : Zum Kugeln

Die neue Dinnershow „Palazzo“ von Hans-Peter Wodarz feierte Premiere. Die Nummern saßen, das Essen schmeckte – das Programm könnte straffer sein.

Bernd Matthies
Hans-Peter Wodarz
Vorstellung von "Palazzo" im Spiegelzelt am Hauptbahnhof in Berlin. -Foto: Eventpress

Ein paar von den alten Zutaten sind noch da, das Spiegelzelt, herausragende Artisten, die knusprige Ente. Also kann nicht ausbleiben, dass Hans-Peter Wodarz immer wieder an seinem Dauerbrenner „Pomp Duck“ gemessen wird, wenn es doch eigentlich um „Palazzo“ geht, seine Dinner-Show mit dem Untertitel „Wein, Leib und Gesang“. Das muss er ertragen.

„Palazzo“ gastiert mehrfach in Deutschland. Doch die Wodarz-Variante ist neu, es gibt sie nur hier. Seit der Premiere am Donnerstag wissen wir mehr: Es ist eine hochkomplexe Veranstaltung, die Wodarz sich da ausgedacht hat, und er wird sie sicher noch deutlich verändern und straffen müssen, um die souveräne Leichtigkeit von „Pomp Duck“ zu erreichen. Doch sie überzeugt schon jetzt.

Das liegt vor allem daran, dass die 17 singenden Kellner, das Herz des Unternehmens, ihre Rollen perfekt ausfüllen. Kein glattgecasteter Chor, sondern gute Typen, die alle auch solistisch allerhand zu bieten haben, beispielsweise der untersetzte Australier Lachlan Youngberg mit einer explosiven Freddie-Mercury-Nummer oder der geschmeidig swingende Amerikaner Stephen Shivers. Bemerkenswert druckvoller und durchsichtiger Chorklang – das war so vermutlich noch nie live in einem Zelt zu hören.

Da wäre also mehr drin – nur schleppt die Show in dieser Frühform noch zu viel Ballast mit sich herum. Der amerikanische Entertainer Kevin Kent, der den Comedy-Part praktisch allein bestreitet, spricht kein Wort Deutsch und verliert sich in überlangen, für Berlin kaum geeigneten Episoden als bigotter Evangelist, bevor er seine Qualitäten schließlich mit einer schrägen Strip-Nummer zeigen kann – das kostet Raum und Zeit für „Evi & das Tier“, die sich nicht entfalten können.Und weil so im Gedränge der Nummern kein roter Faden sichtbar ist, wird auch nicht klar, wann die Gäste mal rauchen, plaudern oder nur aufs Klo gehen können – ständig war ein Teil des zappligen Premierenpublikums auf Achse.

Das unterminierte die Konzentration auch für die zum Teil grandiosen Leistungen der Artisten, die aberwitzige Gläserbalance von Andrej Serov, der die Schwerkraft immer wieder besiegt, für die schon fast beängstigend dynamische Rollschuhdarbietung der „Skating Aratas“ und die poetische Kür, die Emilia Arata in einer Kunststoffkugel unter dem Zeltdach vollführt.

Ein klarer Gewinner des Abends ist der Pomp-Duck-erfahrene Küchenchef Gerd Hammes, der hier ebenfalls artistische Leistungen zeigen muss. Vier verschiedene Vorspeisen stehen bereits auf den Tischen, dann wird noch eine Suppe nachgereicht. Später kommt die perfekt gelungene Ente, der Service schleppt Püree und Spitzkohl an, und dann geht es erst richtig los: Zander auf Sauerkraut, geschmorte Rinderbacke, Poulardenfrikassee und Kürbisravioli, wie sie kaum ein Italiener hinbekommt. Das ist in diesem Rahmen nicht besser zu machen.

Hungrig geht hier niemand, das ist Programm. Alles andere wird sich unter dem selbstkritischen Blick des Zeremonienmeisters Wodarz wohl richten lassen.

Katharina-Paulus-Str., Hauptbahnhof, 79 bis 119 Euro. www.palazzo.org

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