Pankow : Ärger um Café Garbáty

Das Café Garbáty im Bezirk Pankow soll geschlossen werden. Der Pächter greift die linke Bezirksregierung an, doch auch er wird kritisiert. Die Stammgäste der Kultur-Kneipe wollen um ihren Erhalt kämpfen.

Torsten Hilscher[ddp]
Cafe Garbaty
Das Café Garbáty in Pankow: Ärger um Schließungspläne. -Foto: ddp

BerlinEine Witzpostkarte kursiert derzeit im Berliner Nordosten. Darauf erhebt Konrad Adenauer seine Hand und ruft: "Noch
ein Wort an die Machthaber in Pankoff: - Hände wech vom Grabaty." Gemeint ist das Café Garbáty im Zentrum des Bezirks. Die Betreiber um Pächter Wolfgang Spors müssen den Laden räumen.

Auf den ersten Blick erscheint das als Willkürakt der Bezirksverwaltung. "Immerhin gibt es hier nicht viel, wo Leute über 30 abends hingehen können", sagt eine Pankowerin. Spors meint sogar: "Unsere Kundschaft ist ein Abbild der Pankower Gesellschaft."

Tatsächlich wurde die Villa seit ihrer Neueröffnung 2000 Heimat für Künstler, Ostalgiker, Bundespolitiker und Mitglieder des Abgeordnetenhauses. Spors betont, die Einrichtung werde nicht subventioniert und erspare mit 180 Veranstaltungen pro Jahr der öffentlichen Hand geschätzte 100.000 Euro an Zuschüssen. Bei einem Drittel der Veranstaltungen gewähre er freien Eintritt. Da er nicht einmal Mietschulden habe, solle an ihm wohl ein Exempel statuiert werden. "Der linken Bezirksregierung ist das Marktwirtschaftliche suspekt."

Pächter wehrt sich gegen Schließung

Die Sache scheint klar: Bürokratie vertreibt Refugium. Dem widerspricht Kulturstadtrat Michail Nelken (Linke). "Herr Spors musste vor einiger Zeit den Gewerbeschein zurückgeben. Aus diesem Grund übertrug er die Bewirtschaftung seinem Bruder. Das war ein eklatanter Bruch des Mietvertrages." Darauf basieren wiederum eine außerordentliche und eine ordentliche Kündigung. Spors bestätigt, dass er im September 2006 eine außerordentliche Kündigung erhielt, die ordentliche wäre bei ihm nie eingegangen. Regulär lief sein Mietvertrag mit dem Bezirk als Haus-Eigentümer bis Juni 2007.

Dass er trotzdem noch geöffnet hält, bezeichnet Spors als Geltendmachung einer "Mietfolgeoption über fünf Jahre". Nelken kann darüber nur den Kopf schütteln: "Herr Spors hat einen Prozess zum Thema im November hundertprozentig verloren." Die für Immobilien zuständige Bezirksrätin Christine Keil (Linke) ergänzt: "Spors hatte bis Donnerstag Gelegenheit, sich zu einem Vergleichsangebot zu äußern". Darin war ihm eine fünfmonatige Gnadenfrist offeriert worden. "Er nahm dies nicht an", sagte Keil am Freitag. Darum werde nun die Räumung vorbereitet. Spors will dagegen ein Zeitfenster bis Ende 2009 und eine Abfindung.

Demonstrationen und eine Mahnwache für das Garbáty

Keil und Nelken betonen, dass die Räume für den nächsten Mieter freigemacht werden müssen. Dieser war in einem
Interessensbekundungsverfahren gefunden worden. Dabei handelt es sich um das Tanzstudio Dock 11 aus Prenzlauer Berg. Auf dessen Webseite heißt es im Nutzungskonzept fürs Garbáty-Haus, "jetzige Mieter werden auch weiterhin in den Räumen bleiben". "Wir könnten uns gut eine gemeinsame Nutzung vorstellen", sagt auch Antonia Herzog, Sprecherin des Garbáty e.V. Nelken hält dagegen: "Der Verein und Spors haben Dock 11 in unnachahmlicher Weise vergrault."

Ein im Verein Aktiver berichtet, Dock 11 wolle das Garbáty partout nicht, kritisiert aber: "Auch wenn man in dieser Kneipe noch anschreiben lassen kann - das eigentliche Problem ist Spors."Der Verein solle sich von ihm lösen und allein kämpfen. Schon jetzt wurden 3500 Unterstützerunterschriften gesammelt, geplant sind Demonstrationen und eine Mahnwache. Spors pflegt unterdessen das Prinzip Hoffnung: "Der Pankower Mäzen Torsten Kunert signalisierte uns Kaufabsicht für das Haus." Ebenfalls Unterstützung habe ihm der Enkel von Namensgeber Garbáty angedeutet. Mit seiner Hilfe könne das Café möglicherweise in den ehemaligen Garbáty-Stammsitz ziehen, die alte Zigarettenfabrik. (nim/ddp)

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