Panoramabilder : Sonnenuntergang in Pergamonmuseum

Der Künstler Yadegar Asisi ist spezialisiert auf riesige Panoramabilder Jetzt erstellt er ein 360-Grad-Rundbild der antiken Stadt für die Museumsinsel

Jana Scholz
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Malen nach Zahlen. Nach seinen Panoramen von Dresden und Amazonien, landet Yadegar Asisi jetzt einen neuen Coup. Sein Panorama der...

Eine Berühmtheit ist sie. Und doch ist es das erste Mal, dass die antike Stadt Pergamon im Zentrum einer Ausstellung steht. Dabei war die Stadt an der Westküste der heutigen Türkei schon unter griechischer Herrschaft ein Kunstzentrum. Unter den Römern entwickelte sie sich zum größten Heilzentrum der antiken Welt. Im Oktober 2011 wird die Ausstellung „Pergamon – Panorama der antiken Metropole“ eröffnet. Dann werden im Nordflügel des Pergamonmuseums auf der Museumsinsel noch nie gezeigte Skulpturen, Mosaike, Geräte und architektonische Artefakte zu sehen sein.

Im Mittelpunkt der Schau steht aber ein monumentales Großbildprojekt: der Berliner Künstler Yadegar Asisi, oft „Architekt der Illusionen“ genannt, zeigt in einem riesigen Panorama die Stadt im Jahr 124 nach Christus im Originalmaßstab. Im Ehrenhof des Pergamonmuseums wird eigens für das 360-Grad-Panorama eine Rotunde errichtet. Darin ist das 100 Meter lange und 22 Meter hohe Rundbild des Künstlers zu sehen.

Das Pergamon-Panorama ist bereits seit einem Dreivierteljahr im Entstehen begriffen, zur Zeit ist Asisi mit der Planung der Fotoshootings im heutigen Bergama, dem antiken Pergamon, beschäftigt. Die Fotos sollen anschließend zusammen mit Skizzen und Malereien des Künstlers in seinem Kreuzberger Atelier am Computer digital bearbeitet werden. Artefakte und Bauteile, die das Pergamonmuseum dann erstmalig zeigt, werden dabei digital in die Rundschau der gesamten Stadt eingearbeitet, oder, wie Pressesprecher Karsten Grebe es formuliert, „im antiken Umfeld rekontextualisiert“.

Dass ausgerechnet Panoramabilder als scheinbar antiquiertes Unterhaltungs- und Kunstmedium den 54-jährigen Asisi faszinieren, liegt auch an der emotionalen Wirkung der 360-Grad-Ansicht: „Sobald man sich in die Mitte des großen Rundbildes begeben hat, scheint man ein Teil davon zu werden und durch das Sehen Gefühle zu entwickeln.“ In seiner Philosphie bieten die Panoramen einen Moment der Ruhe. Bereits in den neunziger Jahren fertigte der gebürtige Wiener und Sohn iranischer Emigranten Panoramen. Sie zeigten die Bauvorhaben am Alexanderplatz, vor dem Brandenburger Tor und am Potsdamer Platz. Zuletzt hatte der ehemalige Dozent der TU 2009 in Leipzig ein monumentales Bild des brasilianischen Regenwaldes geschaffen, eine Hommage an den Naturforscher Alexander von Humboldt.

Eigentlich ist er als Architekt jedoch mehr der Stadtgestaltung zugewandt. So wundert es nicht, dass Asisi, nachdem er in den Siebzigern in Dresden Architektur studiert hatte, auch die barocke Stadt „panoramisiert“ hat. Die Begleitklänge komponierte Eric Babak, der nun auch das Panorama auf der Museumsinsel mit Hintergrundmusik versehen wird. Inmitten des Pergamon-Panoramas wird sich eine 15 Meter hohe Plattform befinden, von der aus Besucher Details der dargestellten Szenerie erkennen können. Sogar den Sonnenauf- und untergang und eine pergamontypische Geräuschkulisse kann man dann nacherleben.

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