Paralympics : Der Geist der Spiele

Morgen wird der Pariser Platz zur internationalen Paralympics-Arena. Der "International Paralympic Day" findet erstmals in Berlin statt.

Annette Kögel
Rueckeis
Die chinesische Damennationalmannschaft im Rollstuhlbasketball und Sir Philip Craven am Brandenburger Tor. -Foto: Rückeis

BerlinDas war eine Überraschung für die Reisegruppe aus Wushi. Da tourten die Lehrer aus der chinesischen Metropole mit Kollegen der Partnerschule St.-Georg-Gymnasium Bocholt durch die deutsche Hauptstadt – beim Fotostopp vorm Brandenburger Tor war die Aufregung groß. Lehrer Mr. Ni ließ sich nicht nur freudestrahlend vorm Wahrzeichen fotografieren, sondern auch vor dem VW-Bus mit der Aufschrift „Paralympic Games Beijing 2008“: „Das sind ja unsere Leute!“

Mit dem Bus waren die Mitglieder der chinesischen Frauennationalmannschaft im Rollstuhlbasketball für den offiziellen Pressetermin anlässlich des morgigen „International Paralympic Day“ angereist. Alle zwei Jahre veranstaltet das Internationale Paralympische Komitee (IPC), Dachverband von 12 internationalen Sportarten und Veranstalter der Paralympics, die Werbetour für den Behindertenleistungssport – dieses Jahr erstmalig in Berlin. Der Pariser Platz wird von 10 bis 19 Uhr eine gigantische Sportarena, auf der Medaillengewinner ein wenig vom Geist der Spiele vermitteln wollen.

Gestern dribbelte das Nationalteam von Trainer Xu Yuansheng schon mal mit IPC-Präsident Sir Philip Craven, morgen zeigen mehr als 100 Paralympioniken, was sie so drauf haben. Der Regierende Bürgermeister eröffnet das Sportfest mit Musik und Infos unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler; der Tagesspiegel ist Medienpartner. Auch Eislaufstar Katarina Witt will sich Blindenfußball, Sitzvolleyball, Tischtennis, Biathlon, Rollstuhlfechten und Cheerleading anschauen. Man kann über einen Rollstuhlparcours kurven oder sich die Augen verbinden lassen, um Sport mit anderen Sinnen auszuprobieren. Ehrenamtliche des Berliner Behindertensportverbandes mit 16 000 Mitgliedern im Reha-, Breiten- und Leistungssport helfen mit.

„Das Wort ,behindert’ kommt in meinem Wortschatz kaum noch vor. Unser Sport ist Leistungssport, es geht um Spaß, Faszination, Inspiration“, sagte Craven. Das wissen inzwischen auch Großkonzerne wie Allianz und Telekom, die sich als Sponsoren engagieren. Der Vizepräsident von Allianz-Marketing, Steven Althaus, versprach gestern eine „langfristige Partnerschaft“. Sehr zur Freude auch von Schwimmerin Kirsten Bruhn. Sie ist seit einem Motorradunfall querschnittgelähmt, will sich ebenso wie Tischtennis-Kollege Holger Nikelis in Peking nicht von der übermächtigen Konkurrenz entmutigen lassen. „Ich werden den Chinesen schon die ein oder andere Medaille abluchsen“, sagte Bruhn, Kadermitglied des deutschen Athleten-Top-Teams. Diese Leute sind ganz normale Leistungssportler, sie haben Charisma und Humor, und sie wollen so gar nicht mit Samthandschuhen angefasst werden – auch das eine Message des Paralympic-Tages.

Der Paralympic-Day im Internet:

www.paralympic.org

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