"Parking-Battle-Day" : Gestalte deine Stadt

Eine Aktionsgruppe ruft zur spaßigen Umwidmung von Parkplätzen in Berlin auf. Beim heutigen "Parking-Battle-Day" machen sie in Mitte vor, wie das geht.

Maria Ugoljew
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Asphaltdeko: Paula Marie Hildebrandt hat die Kunstaktion organisiert. -Foto: Kleist-Heinrich

Berlin – hier geht doch echt alles! Dieser Satz fällt häufig in Gesprächen zwischen Berlinern, Zugezogenen oder Touristen. Am heutigen Freitagnachmittag wird dieses „Nichts-ist-unmöglich-Gefühl“ zwischen Kronenstraße und Jägerstraße in Mitte wieder mal bestätigt. Denn hier findet zwischen 15 und 18 Uhr der „Parking-Battle-Day 2009“ statt.

Sechs Teams mit sechs unterschiedlichen Ideen werden sechs Parkplätze à sechs Quadratmeter, die alle mit Rollrasen ausgelegt werden, in Mini-Parkanlagen, eine Cocktailbar, eine Tanzinsel und eine Sonnenbank umwandeln. Insgesamt haben sich zwanzig Teams dafür beworben. „Es war gar nicht so einfach, die Entwürfe auszuwählen. Da waren viele verrückte dabei“, sagt Paula Marie Hildebrandt. Die 33-jährige Politikwissenschaftlerin aus Mitte ist Organisatorin und Gründerin der Aktionsgruppe „Repair Berlin“, unter dessen Schirmherrschaft das Ganze passiert. Vor einem halben Jahr hat sie die Gruppe, zu der Handwerker, Entwicklungshelfer, bildende Künstler, Architekten und Verkehrsplaner zählen, gegründet. Gemeinsam organisieren sie in Berlin Stadtaktionen, bei denen es darum geht, den öffentlichen Raum anders wahrzunehmen und zu nutzen. „Denn die Zukunft“, so meint Hildebrandt, „gestaltet man nicht mit großen Konzepten und langen Reden, sondern am besten mit konkreten Aktionen.“

Eine direkte Frage stellte sie dann auch den Parking-Day-Bewerbern: Was fehlt euch in den Straßen von Berlin? Den Teammitgliedern von „Initiative Prinzessinnengarten“ fehlt zum Beispiel der Gedanke der Nachhaltigkeit. Praktisch sieht das dann so aus: Es wird ein Biogemüsecontainer auf den sechs Quadratmeter großen Parkplatz gestellt, in dem auch die Passanten rumgärtnern dürfen. Die Gruppe „Transition Town“ fordert hingegen eine autofreie Stadt. Mitgestalten kann diese Idee jeder. Auf einer Staffelei haben die Teammitglieder und die Passanten die Möglichkeit, ihrer Kreativität unter dem Motto „Wie sieht eine Stadt nur mit Fahrrädern, Kutschen und Rikschas aus?“ freien Lauf zu lassen. Von den anderen vier Teams, „Urbanes Kochen“, „Rollrasenrhythmus“, „Asia Kitsch“ und „Drink!“, lässt man sich am besten überraschen, wie auch Paula Marie Hildebrandt: „Ich bin gespannt, ob das Experiment klappt und ob auch wirklich alle Teilnehmer kommen.“ Spannend sei auch, in wie weit sich die Passanten auf die Aktion einlassen werden, meint die Organisatorin. Denn diese runden das Projekt, das von der Heinrich-Böll-Stiftung finanziell unterstützt wird, ab.

Einerseits entscheiden die Passanten, welches Team den Wettkampf gewinnt und am Abend mit dem Parking-Day-Pokal geehrt wird. Andererseits werden sie aufgefordert, einen von „Repair Berlin“ erstellten Fragebogen auszufüllen, in dem sie Vorschläge für eine alternative Nutzung des öffentlichen Raums machen können. „Wir werten die Bögen dann aus, schicken die Ergebnisse ans Rote Rathaus und veröffentlichen sie noch am Wochenende im Fahrgastfenster der Berliner U-Bahn, dem Berliner Fenster,“ sagt Hildebrandt. Maria Ugoljew

Wer selbst einen Parking-Battle-Day veranstalten möchte, kann sich Infos unter www.repairberlin.de holen.

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