PARTY Gänger : 103-Club

Johanna Lühr

Holla, ist der Frühling da, zumindest, was die Gefühle angeht. Das merkt man im 103- Club an diesem Abend ganz deutlich. Egal wohin man schaut, überall wuseln sie einander in den Haaren herum, streicheln Rücken und zwicken sich in die Seiten. So viele ineinander verknotete Finger, vergrabene Hände, verschlungene Arme. Die Strumpfhosen der Mädchen sind rot, gelb oder grün. Die Jungs tragen bunte Schals über den T-Shirts. Viele Teenager sind darunter, so scheint es, aber das mag auch an dem Konzert liegen: Yelle spielt, eine französische Elektro-Pop-Prinzessin, 26 Jahre alt und international bekannt geworden als Vorband für den ebenso jungen Mika. Der Engländer war damals schon ein Popstar. Und sie ist gerade dabei, einer zu werden.

Vor zwei Jahren ist der 103-Club nach Kreuzberg in eine Lagerhalle gezogen und liegt jetzt in der Nähe des Bahnhofs Schlesisches Tor kurz vor der Oberbaumbrücke. Der Eingang ist eine unscheinbare Eisentür, dahinter wird es weitläufiger: Es gibt zwei Stockwerke zum Tanzen, ein paar Sitzmöbel zum Herumhängen, lange Bars mit vielen Flaschen und viele bunte Lichtinstallationen an den Wänden. Räume und Farben verändern sich je nach Abend, so dass man meinen könnte, den Club niemals zuvor betreten zu haben.

Die 103-Macher sind schon seit zehn Jahren im Geschäft. Zuerst hatten sie einen Club in der Friedrichstraße, Hausnummer 103, danach eröffneten die drei cleveren Geschäftsführer die 103-Bar in Prenzlauer Berg (mit Bio-Ei in der Kastanienallee), eine Wohnungsagentur für Touristen (mit Altbauzimmern über der Bar) und vor kurzem die „Bar Tausend“ in Mitte (schick an der Spree unter der S-Bahn Friedrichstraße). Der Club in Kreuzberg ist von allem ein bisschen. Die Musik ist meistens irgendwie Elektro, aber immer mit Pop.

So wie heute. Yelle ist eine Sängerin mit typischer Myspace-Biografie. Ihren ersten Song produzierte sie im Internet, bevor man sie entdeckte und ins Studio holte. Diese zierliche Person hat eine ganz erstaunliche Energie auf der Bühne und schafft es innerhalb von Sekunden, alle anzustecken, was hier zugegebenermaßen bei den meisten nicht allzu schwerfällt. Bereitwillig reißen die Leute ihre Arme in die Höhe, wann immer Yelle es tut. Sie klatschen und tanzen, auch wenn sie nichts sehen. Der Junge im blauen Shirt, der mit dem Rücken zur Bühne steht, will eh lieber seine Freundin angucken. Die beiden Mädchen mit den kurzen Röcken hinter der Säule haben auch keinen freien Blick, dafür aber Platz zum Tanzen. Und die kleine Dunkelhaarige legt offensichtlich gerne ihren Kopf an den Bauch des großen Freundes. Man mag zwar nicht stören, aber könnte ich mal kurz vorbei? „Ja klar, einen Moment, pass auf, geht es so, okay?“ Macht das der Frühling? Johanna Lühr

103-Club, Falckensteinstraße 47, Donnerstag bis Sonntag, Konzerte und Veranstaltungen unter www.103club.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben