PARTY Gänger : 40seconds

Wenn die Berlinale am Potsdamer Platz zu später Stunde ihre Pforten schließt, gibt es auch in nächster Nähe Möglichkeiten weiter zu feiern - zum Beispiel im 40seconds.

Johanna Lühr
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Nach dem letzten Film des Abends ist nicht mehr viel zu holen am Potsdamer Platz. Nur noch ein paar Verlorene streunen mit ihren Berlinale-Taschen über die Straßen. Wer noch feiern will, ist längst verschwunden. Zum Beispiel ins 40seconds.

Die Potsdamer Straße hinunter am Sony-Center vorbei bis zur Neuen Nationalgalerie und dann über die Brücke gleich die Ecke am Kanal – dort liegt der Club. Schon von weitem sieht man das Licht im obersten Stockwerk zucken. Ein schönes Gebäude aus den 30er Jahren, in dem früher einmal die Verwaltungszentrale der Tabakfirma Loeser & Wolff saß und von dort ihre Zigarren aus Havanna bestellte. Es sollte eines der höchsten Hochhäuser Berlins werden damals, doch irgendwann ging das Geld aus, und der Architekt musste es bei sieben Stockwerken belassen. Im obersten hatten die Architekten Hans Scharoun und Edgar Wisniewski ihr Büro, im Erdgeschoss zog ein griechisches Restaurant ein, das erste in Berlin, so heißt es. Vor acht Jahren setzte man zwei Geschosse oben drauf. 2004 eröffnete der Club.

Unten am Eingang hängt eine schwarze Kordel, dahinter liegt der rote Teppich. „O Mann, ist das kalt, ich bin schon gar nicht mehr betrunken“, beschwert sich eine junge Dame in spitzen Schuhen und kurzem Kleid, die mit ihrer Freundin auf Einlass wartet. Der Türsteher hakt die Kordel aus, die Empfangsdame hinter dem Pult kassiert den Eintritt, dann geht es hinauf. 40 Sekunden soll die Fahrstuhlfahrt dauern, dadurch erhielt der Club seinen Namen. Aber wer will das schon nachmessen. Den zwei jungen Damen reicht es jedenfalls für einen kurzen Make-up-Check. „Ich sehe echt alt aus, guck mal die Falten um meinen Mund, die hatte ich früher nicht“, zieht die eine ihre Mundwinkel nach unten. „Ach Quatsch, die sieht man nur, wenn du lachst“, tröstet sie die andere. „Na, vielen Dank!“ Der Fahrstuhlführer im schwarzen Anzug muss ein wenig schmunzeln und schaut auf die Tür. Dann sind die 40 Sekunden auch schon vorbei.

Der Blick ist wirklich toll. Wie ein Schiffsbug ragt der Club über die Straße. Verglast fast bis zum Boden aus schwarzem Granit. Ein Mädchen tanzt auf einem der seitlichen Sitzbänke, hinter ihm sieht der mit rosa Schlieren durchzogene Nachthimmel wie eine kitschige Fototapete aus. Die meisten Gäste passen gut ins Bild. Im schwarzen schulterfreien Satinkleid oder im Anzug mit weißem Oberhemd. Ein Hauch von roter Teppich ist eben auch hier noch zu spüren. Aber es ist ja auch Berlinale.

Und wer weiß, wer hier sonst noch feiert. Was sich dieser Tage in den exklusiven Lounges des Clubs gleich nebenan so abspielt. Hier sollen schon etliche Filmstars gefeiert haben. Die Liste reicht von Andy Garcia bis Jennifer Lopez. Und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wenn das hier ein Film wäre, dann würde jetzt irgendwann die Musik runtergehen und ein Song von Cat Power einsetzen. Die Kamera würde dem Helden dicht auf den Fersen bleiben, der traumwandlerisch durch die zuckende Menge streift, bis er SIE gefunden hat. Sie würde ihn nur kurz anblicken und ihm dann für immer folgen, hinaus in die Berliner Nacht, dort wo das wahre Leben spielt. Ach ja, und dazwischen wäre dann noch der Lift. Aber bloß für 40 Sekunden. Johanna Lühr

40seconds, Potsdamer Straße 58, Freitag und Samstag ab 23 Uhr; 13. Februar BnB Fame Brothers mit DJ Uncle B und Florian Bauhuber; jeden Samstag Skynights mit House und Dance Music (www. 40seconds.de).

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