PARTY Gänger : Berghain

Johanna Lühr

Einigermaßen nüchtern betrachtet ist das „Berghain“ beängstigend. Noch dazu, wenn man zum ersten Mal dort ist und es außerdem neun Uhr am Sonntagmorgen ist. Dass das hier nichts mit Gemütlichkeit zu tun hat, war klar. Dass es einen dermaßen umhaut, nicht ganz.

Schon von weitem ragt das Berghain wie ein dunkler Klotz auf dem Brachland hinter Metro und Ostbahnhof hervor. Ein ehemaliges Heizkraftwerk aus den 50er Jahren, wer bei Hain an Oliven denkt, hat weit gefehlt. Der Name setzt sich aus den Namen Friedrichshain und Kreuzberg zusammen. Ein Großstadttempel hinter Bauzäunen. Die Taxischlange wartet im Schlamm. Seit jeher rankten sich um den Club Legenden. Sein Vorgänger war der Technoclub „Ostgut“, davor hieß der Laden „Bunker“. Die krassesten Sexpartys, der ungewöhnlichste Menschenmix, die härtesten und längsten Nächte der Stadt.

An der Tür geht es gleich los. Der Ledermantel-Türsteher vom Berghain ist auch bereits eine Legende und guckt genauso brutal und grimmig wie sein Ruf. Der Einlass macht einen dementsprechend dankbar, dass man auch die Total-Filzung wie ein williges Schaf über sich ergehen lässt. Vor allem: keine Fotoapparate. Und dann ist man drin, in einer riesigen Halle, durch die stählerne Treppen führen. An den Betonwänden hängen gewaltige Schwarzweißfotos. Die Sitzecken und Bänke unten sind steinkalt, aber das ändert sich, sobald man eine Ebene höher hinein in den Nebel kommt. Hier klebt die Luft. Die Elektromusik ist wie ein Schlag in den Magen und die Tänzer hauen dazu den Rhythmus in den Boden. Schnell und hart und die Blicke nach vorne gerichtet. Glatzköpfige Männer mit nacktem Oberkörper und T-Shirt in den Gürtel gesteckt kommen aus den Darkroom-Nischen. Die Szenerie hat etwas Surreales. Eyes-Wide-Shut in abgefuckt.

Seitlich dann die Panorama-Bar. Sie ist Teil des Berghains und berühmt für die DJs, die hier auflegen, und ein ganz kleines bisschen lichter. Panorama und der Rest des Berghains – das sei so wie Himmel und Hölle, sagt ein Freund, der sich hier auskennt. Und das muss man, um sich in diesem labyrintischen Feierwahnsinn zurechtzufinden. Außerdem braucht man viel Kraft, um durchzuhalten. Sonst wird man ganz schnell wieder ausgespuckt. „Na, Spaß gehabt?“, fragt der Taxifahrer auf dem Heimweg. Nach dem Absetzen dreht er gleich wieder um, Richtung Berghain. Es gebe da noch genug Kundschaft, sagt er, spätestens bis 18 Uhr. Das sind dann noch zwei Stunden bis zum Tatort. Johanna Lühr

Berghain, Am Wriezener Bahnhof, Freitag und Sonnabend ab 24 Uhr, Eintritt 10 Euro. Diesen Sonnabend feiert der Club seinen dritten Geburtstag, mehr Infos im Internet unter www.berghain.de.

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