PARTY Gänger : Cassiopeia

Johanna Lühr

Eigentlich wollten sie eine Skaterhalle. Dann kam das Cafè dazu und ein Club und der Kletterturm und der Biergarten. Das Cassiopeia ist so eine Art Spielplatz für Erwachsene. Noch jedenfalls.

Das Clubgelände liegt an der Revaler Straße, dort wo die Simon-Dach-Partymeile endet. Ein Eingang in der Mauer und dahinter ein Holzsteg, dann geht man über das Pflaster des alten Reichsbahnausbesserungswerks (RAW), auf dem Boden laufen hier und da Schienenstücke entlang, der perfekte Krimi-Drehort.

Vor vier Jahren haben die zwei jungen Besitzer das Cassiopeia aufgemacht, als sie eine Halle zum Skaten suchten. Jede Rampe, jede Wasserleitung, jede Theke haben sie selbst gebaut, mittlerweile sind sie ein Team von 100 Leuten, haben jeden Abend andere DJs, Konzerte oder Filmabende. Und zahlen noch immer ihren Kredit ab.

Denn das Cassiopeia ist kein kleiner Laden: immerhin fast 4000 Quadratmeter. In der Mitte stehen Holztische und Klappstühle unter großen Sonnenschirmen und eine Bar in einer Bretterbude mit hochgeklappten Läden, in den Bäumen hängen grüne Glühbirnen. Ein paar aufgekratzte Jungs und Mädchen stehen auf dem Kiesboden und trinken rundenweise Tequila und Sambuca und unterhalten sich, worüber man sich bei so einer Gelegenheit unterhält, nämlich über nichts oder jedenfalls nichts Zusammenhängendes. „Der Typ gestern auf der Party hat mich voll rund gemacht, als ich ihm meine Nummer gegeben habe“, beschwert sich ein Mädchen mit schwarzem, langen Pferdeschwanz. „Der hat gemeint, da sollten doch wohl die Jungs zuerst nach fragen.“ „Abgefahren“, antwortet der Freund desinteressiert und eine Minute später: „Ich nehme mich selbst auch immer am wichtigsten.“ „Lass uns mal jetzt reingehen“, sagt das Mädchen. Und weg sind sie.

Im Vorraum des Clubs sind die Wände rot und unverputzt. Zwei Jungen mit Baseballcaps schlagen mit jedem ein, der zur Tür hereinkommt. „Hey, alles klar, Mann“, und weiter geht es. Es ist ein bisschen wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“, eine endlose Begrüßungsschleife. Irgendwann sind die Hip-Hopper durch, und es mischen sich auch ein paar Halstücher, Schlaghosen und rote Hennahaare unter die Menge. An der Tür steht eine Lady mit weißen Pumps und hinter ihr ein Mädchen mit Rucksack, das gerade vom Kletterturm kommt. Sie ist eben mal die Betonwand hinauf gestiegen. Eigentlich habe sie tendenziell Höhenangst, sagt sie, aber gerade deswegen sei das Klettern gut. Als Konfrontation mit den eigenen Ängsten.

Angst haben auch die beiden Cassiopeia-Macher. Der Mietvertrag läuft 2010 aus, der Eigentümer will hier eine Anlage mit Wohnungen bauen. Die Skaterhalle könne man ja einfach verschieben, hat der Eigentümer vorgeschlagen, und einen Kletterturm oben drauf setzen mit Glasdach, dann könnten die Kletterer von oben den Skatern zuschauen. Bloß, wieso sollten sie das? Johanna Lühr

Cassiopeia, Revaler Straße 99 in Friedrichshain, Mo bis Fr ab 14 Uhr, Sa/So ab 10 Uhr. Die nächste Party steigt an diesem Freitag um 23 Uhr: „CollegeRock meets PopRutsche“.

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