PARTY Gänger : Das Hotel

Das Hotel ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Trotzdem sollte man auf jeden Fall in diesen Club gehen.

Johanna Lühr

BerlinIn diesen Club sollte man auf keinen Fall gehen, weil er 1. zu klein, 2. zu voll und 3. zu toll ist. Und dabei würde man glatt an dieser kleinen Stätte des Amüsements gleich hinter der Kottbusser Brücke vorbeilaufen, drängelte sich nicht jedes Wochenende eine Traube von Menschen vor der Tür, als lehnte darin gerade Adrien Brody an der Bar (oder wen man sonst so super findet).

Auch heute Abend ist das so. Pickepacke voll. Die Scheiben vorne sind beschlagen, drei Glühbirnen baumeln davor, der Bartresen am anderen Ende ist aus Holz und zum Hochklappen. Kein Sperrmüll, sondern Antiquitäten stehen da vor abgeblätterten Wänden. Noch kann man die Stufen hinauf ins Hinterzimmer gehen, sich an einen der kleinen Tische setzen und in Ruhe ein bisschen quatschen, aber das wird sich bald ändern - wenn der DJ seinen weißen Computer an der Bar anschmeißt und der Barmann auf den Tresen klettert. Wenn die Musik lauter wird, so dass man sich ganz nah ans Ohr des anderen beugen muss. Und die Tanzerei so wild, dass man auch am Rande stehend nicht anders kann als mitzuswingen.

Man kennt sich - ohne sich vorher schon mal getroffen zu haben

Es ist seltsam. Im "Hotel" sehen alle Gäste aus, als wäre man ihnen irgendwo schon mal begegnet. In Berlin oder sonst wo in Europa. Das Hotel-Feeling - so nennt das der Gründer: Carsten Zoltan, Schauspieler, Anfang dreißig. Vor ungefähr zwei Jahren entschloss er sich, eine Kneipe aufzumachen. Um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Mit der Zeit hat das dann nicht geklappt. Mit dem Laden schon. Der Name wurde Programm. Weil ständig Leute in der Bar nach Zimmern fragten, eröffnete er schließlich in den zwei Stockwerken darüber eine Pension. Und aus der Bar wurde ein Club, als der spanische DJ Pozo Cruz nicht nur gute Musik, sondern auch gleich seinen ganzen Freundeskreis mitbrachte. Seitdem ist das einzige Einstellungskriterium für alle Hotel-Mitarbeiter, nicht deutsch zu sprechen. Dann versteht man sich ohnehin immer am besten.

"Kann ich kurz vorbei?", fragt die Frau mit den kurzen Haaren und der dicken Jacke. "My name is José", antwortet der Spanier mit der Brille. "Il bagno?", will das dunkelhaarige Mädchen auf der Suche nach der Toilette wissen, und der Blonde gibt ihr Feuer. "Drink?", fragt der Typ im T-Shirt und deutet Richtung Bar. "Hmmm", sagt das Mädchen im langen Pullover und beginnt zu tanzen. "Aua", schreit der eine. "Ciao", säuselt die andere. Je mehr man sich auf die Füße tritt, umso besser die Stimmung. Das findet wohl auch die Frau mit Hut, Hemd und Anzug, die so wohlwollend von den Stufen auf die Tanzenden hinabblickt, als seien es allesamt ihre Kinder. Und die tanzen und knutschen, was das Zeug hält.

"Das soll ein Laden für alle sein", sagt DJ Pozo, der nebenan auf den Stufen sitzt. Mit aller Art von Musik. Hauptsache originell. Kein James Brown, aber ein Mix davon schon. Rockabilly ja, aber ohne Verkleidung. Alles, nur keine Angabe. Und deswegen sollte man 4. auf jeden Fall in diesen Club gehen. Auch wenn es 5. schon lange kein Geheimtipp mehr ist.

Das Hotel, Mariannenstraße 26 A in Kreuzberg, täglich ab 16 Uhr, Infos unter www.dashotel.org.

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