PARTY Gänger : Hoppetosse

Johanna Lühr

Kommt man von der Schlesischen Straße, fährt über die Kanalbrücke und links aufs Gelände der Arena, liegt dort ein Schiff, die Hoppetosse. Ein alter Kahn mit drei Decks, weiß und grün mit einer Brücke zum festen Boden. 1932 wurde sie gebaut und während des Krieges als Lazarettschiff genutzt, mit Liegeplatz in Wilhelmshaven. 1944 wurde die Hoppetosse von einer Bombe versenkt, zwei Jahre später gehoben und in Fahrt gebracht. 1990 schipperte sie nach Rostock, wurde ein Passagierschiff, bis zehn Jahre später die Arena sie übernahm. Für die Fahrt nach Berlin sägte man das Oberdeck ab, damit sie unter den Brücken der Spree hindurchfahren konnte. Und da liegt sie heute, das Oberdeck wieder angeschraubt, eine Bar und Liegestühle darauf. Links der Blick auf die Oberbaumbrücke, rechts die riesigen Aluminiummänner des amerikanischen Bildhauers Jonathan Borofsky im Wasser, auf der anderen Seite der Parkplatz der Arena mit Palmen in Kübeln.

Doch der Abend beginnt erst mal drinnen, langsam und gemächlich, der DJ hat seine CD-Tasche auf einem der Tische abgelegt, an dem auch seine kubanischen Freunde sitzen, und plaudert ausgiebig. Nach und nach trudeln die Paare ein. Flink bewegen sie Beine und Füße, die nahezu abgetrennt vom kerzengeraden Oberkörper zu funktionieren scheinen. Hochgereckt das Kinn, nur manchmal ein kurzer prüfender Blick auf die eigenen Füße oder die Schritte des anderen. Eine hochgewachsene Frau in schwarzen Jeans und Pumps fixiert von oben herab ihren Tanzpartner, als wollte sie ihn an sich binden, während die Blicke einer Blonden über die Schulter ihres Mannes ins Weite schweifen. Doch alles erblasst, als ein weiteres Paar die Tanzfläche betritt. Er, ein kleiner alter Mann mit großem runden Bauch, sie eine junge zierliche Frau mit dunklen Haaren und glänzender Adidas-Trainingshose. Auf den ersten Blick kein Bild der Anmut. Bis sie beginnen zu tanzen. Nicht verliebt und verschmolzen, nein, ganz und gar eigenständig, aber so lässig und ironisch ist ihr Tanz, dass man die Augen nicht abwenden kann. Blitzschnell und behände, der Mann dreht und stubst sie, als sei sie eine Feder, und sie dreht sich wie im Winde. Alles andere wirkt hölzern dagegen, selbst die Kuba-Connection nickt anerkennend. Beim Salsatanzen sei es wie beim Film, sagt der DJ aus Havanna. Es gebe die Statisten, die einfach nur zuguckten, die Nebendarsteller, die gar nicht mal schlecht seien – und die Protagonisten, um die sich alles drehe. Salsa sei eine Einstellung, positiv, offen und sehr fröhlich. Und wie sich die Menschen danach sehnen! Früher war das Mekka des Salsa New York, wo die Emigranten vor Heimweh fast verrückt wurden. Heute ist Salsa in Europa beliebter als in Amerika. Hier könne man sieben Tage die Woche Salsa lernen, sagt der DJ. Und Berlin, Berlin sei die Königin aller Salsastädte!Johanna Lühr

MS Hoppetosse, Eichenstraße 4 in Treptow, dienstags Salsa-Party, Einführungskurs um 19:30 Uhr

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