PARTY Gänger : Karrera-Klub

Johanna Lühr

Man kann die Masse der Partygänger in zwei Teile aufspalten: diejenigen, die gerne zur Musik mitsingen, und die Elektroleute, die nur tanzen wollen. Für die Mitsinger ist der Karrera-Klub eine sehr gute Sache. Kein Club im eigentlichen Sinne, sondern eine Partyreihe an verschiedenen Orten, mal mit Konzert davor, mal ohne. Im Magnet, Mudd- oder Privatclub, im Roten Salon oder Lido. Heute Abend ist es der „Rote Salon“, es ist elf Uhr und die drei Karrera-DJs trinken noch Kaffee. Tapetig, rot und gemütlich ist es hier oben neben der Volksbühne und so privat, als ob man gerade auf seine Geburtstagsgäste wartete. Auch die Musik ist ein bisschen so. Indie- und Britpop heißt die Richtung, was eigentlich nicht viel anderes bedeutet als: melodische Gitarrenmusik. Das ist so wie mit einem Kuchenbelag: kann alles Mögliche sein, solange es süß schmeckt. Sonst ist es eben eine Pizza.

Richtig populär wurde der Britpop ja Mitte der 90er Jahre, da waren Bands wie Oasis, Blur und Pulp am größten. Das war auch der Anfang des Karrera-Klubs. Ihr Konzept – erst Konzert, dann Party – ging gut auf. Seitdem ist der Karrera-Klub ein Klassiker. „Nennen wir es lieber Institution“, sagt einer der Karrera-Jungs, an den Zigarettenautomat gelehnt. „Sonst klingt das so, als ob wir uns nicht mehr verändern.“ Den Namen haben sie damals zwar aus reinen RetroGründen gewählt (schön alles mit „K“). Aber für neue Musiker hatten sie schon immer einen guten Riecher. Franz Ferdinand und die Sportfreunde Stiller haben sie spielen lassen, als die noch keiner kannte. Arctic Monkeys, Art Brut und Maximo Park – und Pete Doherty kam mit seinen Libertines und nur vier Stunden Verspätung zum Konzert vorbei. Dass es ihre Partys noch gibt, sagen die Karreras, liege zum einen an den Club-Wechseln (da alle Berliner ja gegen allzu Beständiges allergisch sind) und daran, dass es keine Stammgäste gebe. Jedenfalls nicht der ersten Stunde. „Die sind heute doch alle zehn Jahre älter.“ Also so 28.

Um Mitternacht springen tatsächlich erstmal die 20-Jährigen die Treppe zum Roten Salon hinauf. Mädchen gleich weiter zur Toilette, Jungs an die Bar. Nach ein paar Stunden tanzt der Laden. Und bei jedem neuen Lied schreit der Nachbar einem in die Ohren: „Das ist doch…“, „Ja stimmt!“. Wenn man es noch nicht kannte, kennt man es jetzt. Nur an der Tür steht einer und nörgelt seine Freundin an: „Das ist mir zu poppig“. „Hey“, sagt sie, das ist Indie!“. Johanna Lühr

Morgen ist Karrera-Klub im Rosi’s, Revaler Straße 29, Friedrichshain, ab 23 Uhr, drei Euro. Sämtliche Termine findet man unter www.karreraklub.de

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