PARTY Gänger : King-Kong-Klub

Johanna Lühr

Am Montag geht es um die Liebe. So steht das natürlich nicht im Programm, aber der Montag ist der französische Abend, und worum sollte es sonst gehen bei den Franzosen, wenn nicht um Liebe.

Der King Kong ist kein Club auf den ersten Blick. Er hat gerade seinen fünften Geburtstag gefeiert und liegt nicht eben romantisch an der Brunnenstraße, in der Nähe des Drogendealer-Weinbergparks. Zu Anfangszeiten nannte er sich kurz „Baustelle“, um den schlechten Geschmack vergessen zu machen, den der Vorgängerclub mit Namen „Libido“ hinterlassen hatte (davor soll ein Laden mit Brautmode darin gewesen sein und im Hinterhaus einer mit Trauerkleidung). Heute stehen hier schwarze Ledersessel und Sofas unter guter Beleuchtung: schummrig, rötlich, genau richtig. Ein Licht, in dem jeder gut aussieht.

So auch die Chefin, wie sie da an der Bar steht, ganz in existenzialistenschwarz und wie aus einem Nouvelle-Vague-Film entsprungen. Wie sie bloß auf den Menschenaffen kam? „Die ganzen Ks, die klingen doch gut“, sagt sie, und sie möge den Mythos, die Attribute, die man mit ihm verbindet: erotisch, exotisch, wild. Und dann die Geschichte: ein Clash zwischen Metropole und Urwald. Ihr Club solle offen für jeden sein, es sei denn, er kann sich nicht benehmen, aber das komme eher selten vor.

Auch heute Abend sieht es nicht danach aus. Überall entspannte, ein bisschen montagsmüde Gesichter, die Leute liegen fast auf ihren Sofas. Der DJ hat den französischen Chansonnier Michel Polnareff aufgelegt, danach nimmt er eine „Le Pop“-Platte, ein Glas Rotwein und wieder Polnareff.

Aber die Wiederholung stört keinen. Eine Frau, die von ihrem Mann umschlungen an der Bar steht, holt sich versonnen eine Zigarette mit dem Mund aus der Packung. Ein paar Meter entfernt lehnt eine Dame mit schwarzen Haaren und asiatischen Gesichtszügen an der Säule, ihr Freund oder Mann oder Liebhaber kommt herbei, und sie beginnen ganz langsam zu tanzen. Er drückt ihre Hand an seine Brust, während sie fein über seine Schulter hinweg lächelt. Derweil kreisen die Gespräche auf den Sofas um weniger Erfreuliches: Auf dem einen geht es um die Last der Männer, diese verweichlichten Nichtentscheider, ach, wäre sie ihm nur nie begegnet, auf dem anderen dreht es sich um die Exfreundin, die ihn die ganze Zeit belogen hat, betrogen und belogen, von vorne bis hinten, er kann es nicht fassen.

Nur auf Sofa Nummer drei ist die Stimmung ausgelassen. 13. Klasse, Studienabschlussfahrt, die Mädels kommen aus dem Odenwald und machen das volle Berlin-Programm. Bislang sei zwar noch nicht so viel passiert, liebemäßig, aber man wisse ja nie. „Bis Donnerstag sind wir noch hier.“ Na dann. Johanna Lühr

King-Kong-Klub, Brunnenstraße 173, täglich ab 22 Uhr, Montag: Lundi Bleu (French Pop, Freakbeat, Nouvelles Chansons, 60´s French Soundtracks)

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