PARTY Gänger : Kinski

Johanna Lühr

Den Tisch hat Peters Kumpel auf der Straße gefunden. Und Peter hat ihn dann in seinen Laden genommen, da kann man jetzt Aschenbecher draufstellen. Setzt euch, gleich fängt der Film an. Das ist das Kinski. Ein Nachbarschaftsverein und der einzige Laden mit echtem Sperrmüll.

Dass Neukölln rockt, wissen wir ja schon aus der „Zitty“. Und das Kinski rockt dort bereits eine ganze Weile, in der Friedelstraße, wo neben dem Unterwäschedesigner ein Entrümplungsladen ist, der Friseur eine Haube hat und der „Kids’ Garden“ zwischen den Häuserschluchten einem tollen Wildgehege gleicht. Und mittendrin das Kinski, dieser angenehm unperfekte Laden, in dem es mal Filme, mal Kunst und immer Musik gibt. Ein Schlauch mit ein paar Sesseln und Sofas vorne, unverputzten Wänden mit Stuck an der Decke und jahrelang eingesogener Raucherluft. Gegenüber liegt die „Pigalle“, einer der ältesten Nachtclubs Berlins und benannt nach dem Pariser Vergnügungsviertel um den Place Pigalle, wo auch das Moulin Rouge ist und allerlei bizarre Gestalten herumstrolchen. Aber zurück an den Landwehrkanal und nach Neukölln und zu Peter. Dem langhaarigen Besitzer des Kinski, der heute eigentlich krank ist, auch wenn ihn das nicht davon abhält, doch einmal kurz vorbeizuschauen, er wohnt ja gegenüber. Peter, der alles und nichts macht, was seinen Freund und Musiker Winson damals zu der Frage inspirierte: „Wovon lebt eigentlich Peter?“. Die Single wurde ein kleiner Hit und das Kinski auch.

Und das kam so: Es waren einmal ein paar Jungs, die ein Studio in Neukölln hatten, worin sie filmten, produzierten und fotografierten. Nur dass dort jeder für sich allein herumschnipselte, das tat ihnen leid. Wir brauchen einen Showroom, dachten sie, und als drei Jahre später nebenan ein Laden frei wurde, nahmen sie sich den, nannten ihn Kinski und gründeten einen Verein. Denn sie mochten den Schauspieler Klaus Kinski – auch wenn er nicht ihr einziger Held war, sonst hätten sie vielleicht bedacht, dass in ihr Eröffnungsjahr auch sein zehnjähriger Todestag fiel, und wären nicht so überrascht gewesen, als man ihnen die Bude einrannte und jede Menge Kinskispezialisten mit tausend Fragen kamen, die sie nicht beantworten konnten. Und jetzt ist Neukölln auch noch Trend geworden.

Doch Peter lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen, und von Trends schon gar nicht. Jetzt geht es erst mal um die nächste Ausstellung. Und deswegen sitzt der Künstler auch mit auf dem Sofa, Ticiano Marquetti aus Südamerika mit einem Maßband in der Hosentasche, um zu sehen, wie viel Platz er an den Wänden hat. Eigentlich macht er Street-Art. Aber er hat auch genug Kunstwerke für drinnen. Mach wie du meinst, sagt Peter. Wie das aussieht, kann man ab morgen Abend sehen. Und genug Tische gibt es jetzt auch. Johanna Lühr

Kinski, Friedelstraße 28, Vernissage Ticiano Marquetti am 18.4. um 21 Uhr, Programm www.kinskiclub.de

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