PARTY Gänger : Lux

Johanna Lühr

Die Clubchefs sind sich sehr uneinig, wie mit dem Rauchverbot umzugehen ist. Während die einen sich bis zum Sommer einen feuchten Kehricht um das Verbot scheren, haben die anderen schon ihre Aschenbecher zerschlagen. Und die dritten basteln an einer Raucherlounge. Im Lux kann man seit gestern auf der Galerie rauchen, hinter Plexiglas, dafür mit Blick auf die ganze Halle.

Die „Lux“-Halle liegt auf einem Stück Niemandsland zwischen Schlesischem Tor und Oberbaumbrücke. In den 70ern wurden hier Industrieschrauben produziert, dann kam die Pleite und später der Club. Die Kugelstrahlmaschine zum Abschleifen der Kanten steht heute noch in der Ecke. Und auch sonst gibt es viel Metall, Stahl und Raum bis unter die Fabrikdecke. Dass es trotzdem nicht kühl wirkt, liegt wohl am Licht. Es gibt Kerzen, Diskokugeln, Wohnzimmerlampen. Ein bisschen pink mit gelb, ein bisschen Geflacker in der Ecke. Schön ist das, gekonnt.

„Lux halt, Latein, schon klar oder?“ sagt Götz Mields, der Besitzer, mit dicker schwarzer Brille, an der Bar. Er steckt sich eine Zigarette an (oho, das ist ab jetzt immer einen Satz wert) und erzählt, wie er seinen Laden entdeckte. Damals, als er zum ersten Mal an der Halle vorbeilief, die Produktion im vollen Gange war, das Licht aus den oberen Fenstern auf die Straße fiel und er dachte: hier will ich etwas draus machen. Da war er noch Kellner in der Kreuzberger „Markthalle“, aber das Nachtleben kannte er schon damals gut. So auch der Sohn und Erbe der Fabrik, der nach der Pleite Künstler und Handwerker in das Haupthaus einziehen ließ und Mields die Halle gab.

Das war vor vier Jahren und seither treten hier Bands auf, die noch keiner kennt, aber fast jedem gefallen. Theatergruppen suchen sich eine Performance- und Filmleute ihre Projektionsfläche. Dazu spielen DJs alles außer Elektro und einmal im Monat schiebt der TI – der Tape Instructor – seine Kassetten in die Anlage. Alle sind lieb und befreundet und beantworten jede Frage mit einer Engelsgeduld („Ich habe hier Sylvester einen Pullover liegen lassen. Er war schwarz, er liegt mir sehr am Herzen“). Und auch die Gäste sind so friedlich und tolerant, dass selbst eine handyfotografierende, verirrte Spaniermeute sie nicht aus der Ruhe bringen kann.

Was soll’s, denken sie, tanzen weiter und plaudern dabei mit ihren Freunden. Das geht. Denn auch dafür steht das L.U.X.: für die „leiseste Unterhaltung X-Berg“. Da die Halle unmöglich schalldicht zu machen ist, haben sich Club und Nachbarn auf eine Grenze eingepegelt, die gut tanzbar, aber nicht zum Schreien ist. Und so kann man ziemlich lange dort an der Bar sitzen und reden. Bis die Morgendämmerung hinter den ungeputzten Fenstern schimmert und nur noch eine Zigarette in der Packung steckt. Aber halt, da sitzt man schon nicht mehr an der Bar, sondern steht oben in der Raucherlounge und blickt durch den Dunst hinunter auf die Nichtraucher. Die Armen. Johanna Lühr

Lux, Schlesische Straße 41, Mittwoch bis Sonnabend ab 21 Uhr, Programm unter www.lux-berlin.net

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