PARTY Gänger : Luzia

Johanna Lühr

Da kann man sagen was man will, das Luzia ist toll. Weil es Stil hat, eine gut gemischte Gästeschar und weil alles ein bisschen chaotisch ist. Vor zehn Monate hat der Laden in der Oranienstraße aufgemacht. Früher war ein türkischer Supermarkt hinter der gerundeten Glasfront, jetzt drängeln sich die Leute an der Bar – und am Wochenende in der hintersten Ecke. Dort legen am Freitag und Sonnabend DJs auf, Rockabilly oder Minimal, die PanoramaBar-Richtung. Und auch wenn in der Ecke vor den Toiletten nicht viel Platz ist, wer tanzen will, kriegt das hin.

Gute Idee. Wer hatte die? Alle. Das Luzia ist ein Team und eine ziemlich bunte Truppe. Der Chef ist vor sechs Jahren aus der Türkei nach Berlin gezogen, um Regie zu studieren, und hat irgendwann seine erste Bar in einem alten türkischen Männercafé in Kreuzberg eröffnet. Der Geschäftsführer ist eigentlich Kameramann, die Inneneinrichterin Setdesignerin. Gemeinsam hatten sie anfangs nur eines: keine Ahnung von Gastronomie, aber von Kunst. Und das sieht man an der Einrichtung: ein ausgesuchter Möbelmix von den 20er Jahren bis heute. Ganz gewürfelt, aber auch genau abgestimmt.

Auch zu dem Bar-Namen gibt es eine gute Geschichte. Damals zum Eröffnungskonzert war der Techniker nicht aufgetaucht. Erst weit nach Mitternacht kam er endlich hinein und verkündete stolz den Namen seiner soeben geborenen Tochter: Lucia. Gratulationen, was für ein gutes Omen: So stießen sie an und tauften auch ihre Bar auf den Namen, nur das c wandelten sie zu einem z , damit es nicht ganz so heilig klänge.

Denn heilig geht es hier nicht zu. Wenn auch gesittet. Der Türsteher trägt Anzug, ist höflich und sehr schlank, eher ein Tür-Aufhalter. Erst dahinter sitzt auf einem Barhocker ein Mann von derberem Humor, der jedes Mal den Witz „Gesichtskontrolle: Du musst lächeln!“ aufsagt und sich dabei bestens amüsiert. Und so strömen alle an ihm vorbei und hinein, an die Bar, auf die Sessel, in die DJ-Ecke.

„Ich weiß gar nicht, wieso aus mir nie etwas geworden ist“, sagt ein Mann mit dem Rücken an den Bar-Tresen. „Wenn ich mich hier so umgucke…“ Wen er damit meint, weiß man nicht, denn hier ist so ziemlich jede Gruppe vertreten. Männer, Frauen, Transsexuelle. Hinter der Bar arbeiten ein schöner Mann in rotem Kleid und mit Hochsteckfrisur, ein dunkelhaariger Bauarbeitertyp und ein Knabe wie aus Thomas Manns „Tod in Venedig“. Direkt am Tresen stehen ihre Fans, bestellen einen Drink nach dem anderen. An ihnen kommt keiner vorbei, dafür reichen sie die Bestellung gerne in die zweite Reihe weiter. Eine Frau in Pink klopft einer anderen auf die Schulter: „Entschuldigung, aber du brennst gerade.“ Die andere schüttelt die glühende Asche aus dem Bund ihrer Schlaghose. „Ach vielen Dank, das ist nett.“ So sind sie im Luzia. Johanna Lühr

Luzia, Oranienstraße 34 in Kreuzberg, täglich ab 9 Uhr, am Freitag und Sonnabend Warm-Up-Party (www.luzia.tc)

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