PARTY Gänger : Picknick

Johanna Lühr

Es soll diesmal um das „Picknick“ gehen. Das ist ein ziemlich neuer Club in Mitte. Es ist ganz nett dort, man kommt durch einen Hinterhof hinein, geht an der offenen Herrentoilette vorbei und rechts eine schmale Treppe hinauf. Die Wände sind schwarz gestrichen, die Decken tief, auf dem Boden liegen mit Cord bezogene Sitzpolster, und neben der Bar gibt es eine winzige Tanzfläche. Unten ist noch ein Raum mit einer Tanzfläche und einer Bar. An der Wand blinkt in Neonbuchstaben „yeah!!!“, sonst gibt es weder viel Styling noch Schnickschnack. Auch die Gäste sind so, wie sich das für den Berliner Partymob gehört. Die Frauen tragen Leggins, Röhrenjeans, Pumps oder Turnschuhe, die Männer Turnschuhe, Trainingsjacke oder alten Anzug. Es ist voll und laut, man schwitzt und tanzt und trinkt – ein ganz normaler Clubabend.

Nur soll man nicht darüber schreiben. Die Macher wünschen das nicht. Journalisten, die das tun, finden sie frech. Die Argumente gehen in etwa so: Wir wollen keine Werbung, nur Menschen, die über Mundpropaganda kommen, alles andere ist Mainstream, und das gefällt uns nicht. Wir wollen geheim bleiben! Das ist irgendwie verständlich, aber es funktioniert trotzdem nicht. In einer Stadt wie Berlin, in der in jedem Hinterhof andauernd etwas Neues aufmacht, dauert es nicht lange, bis alle davon gehört haben. Vielleicht sind die Leute hier besonders wachsam, vielleicht will auch bloß keiner den Zeitpunkt verpassen, bevor es wieder vorbei ist mit dem Laden. Denn das geht in dieser sonst so gemütlichen Stadt ziemlich fix. Die alten Partygänger schwärmen immer noch von den 90er Jahren, damals, als alles noch so schön und besetzt war. Aber die Zeiten sind vorbei. Heute wimmelt es nur so von Exundergroundclubs. Cookie, Rodeo, die ganzen Montags- und Mittwochsclubs. Geschlossen oder etabliert. Letzteres ist fast genau so schlimm. Das ist so wie mit den Berliner Cafés, in denen zu freundliche Kellner als anbiedernd gelten. Clubmacher scheinen dieselbe Angst zu haben.

Sei’s drum. Die Dynamik nach einer Neueröffnung ist jedenfalls immer die gleiche. Erst kommen diejenigen, die immer alles als Erste wissen. Der nachtrudelnde Rest wird dann von den Türstehern geregelt. „Moment mal, wie viele seid ihr? Ok, du kommst rein und du, tut mir leid, stehst nicht auf der Liste.“ Aufruhr in der wartenden Menge. Die einen quetschen sich durch die spaltbreit geöffnete Tür hinein. Die anderen werfen sich von außen dagegen. Wenn das mit den Türstehern losgeht, ist das mit der Geheimniskrämerei definitiv passé. So gesehen auch im „Picknick“. Johanna Lühr

Dorotheenstraße 90, Mitte. Sonnabends ab 23 Uhr

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