PARTY Gänger : Rakete: Gut für jeden, der feiern will

Einzug, Auszug, Umzug, neue Liebe, alter Mann - egal. Die Rakete ist für alles ein Knaller. Und der Raum ist so winzig, dass er garantiert voll wird.

Johanna LührD
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Für eine Party braucht es keinen guten Grund. Einzug, Auszug, Umzug, neue Liebe, alter Mann - egal. Die Rakete ist dafür der Knaller. Gut für jeden, der feiern will und noch schnell einen Raum dazu braucht. Der Gastgeber braucht keine Miete zu zahlen, muss keinen Mindestumsatz garantieren und keine Angst davor haben, dass zu wenig kommen. Der Raum ist so winzig, dass er garantiert voll wird. Und jeder, der vorbeikommt, darf auch noch hinein.

Zufällig passiert das eher selten. Von der U-Bahn Eberswalder Straße läuft man die Schönhauser Allee auf der linken Seite Richtung Kulturbrauerei hinunter und muss aufpassen, dass man den kleinen weißen Laden nicht verpasst, der entweder rappelvoll oder komplett leer ist. Heute steht immerhin schon eine Traube Menschen davor.

Innendrin steht die Besitzerin. Sie hat die Bar vor drei Jahren bei Ebay gekauft, da arbeitete sie noch als Angestellte im Café Eckstein an der Pappelallee. Ein Klick, und der Laden gehörte ihr. Ein Traum! Sie wollte schon Barbesitzerin werden, seit sie über den Tresen gucken konnte, sagt sie. Viel verändert hat sie in dem kleinen Raum mit der Theke nicht. Nur ein paar Barbies stehen jetzt in den Ecken. So sollte ihre Bar eigentlich auch heißen: Bar-bie, aber dann ist sie doch bei Rakete geblieben, um die Gäste nicht zu verstören. Und auch sonst ist die Sache klar. Sie macht die Cocktails, ihr Kollege die Musik: Jazz, Soul, Swing und Rock. Wer privat feiert, kann auch seine eigene Playlist mitbringen.

Mit der Auswahl heute ist sie ganz zufrieden.

Die anderen auch. Immer mehr Gäste sind von der Straße hineingekommen, die Leute stehen jetzt so eng beieinander, dass jeder überall mitreden kann, wenn er mag, und zuhören muss, auch wenn er nicht will. An der Bar geht es gerade um Bücher, eine Neuerscheinung „Vulva“. („Wer zweihundert Seiten über die Vulva schreibt, hat doch einen Schuss“). Auf den Sofas um „Germany’s Next Topmodel“ („Die hat doch ein Doppelkinn, die kann nicht Model werden“). Und in der Runde vor den Toiletten um den Chinesischunterricht („Das Einzige, was sich sagen kann ist: Mein Vater ist kein Arzt.“)

Genug Gerede. Das Gedränge wird immer netter. Die Getränkewünsche werden nun per stille Post an die Bar weitergegeben, und die Zigaretten zünden sich fast von selbst an. Die Dialoge schwappen von einem zum nächsten und dümpeln dort wie Cocktailkirschen vor sich hin. „Was feiern wir noch mal?“, fragt der Erste. „Abschied“, sagt der Zweite. „Na dann alles Gute“, sagt der Dritte. „Wir sehn uns doch eh in drei Monaten wieder“, sagt der Vierte. Dann gibt es die nächste Party. Johanna Lühr

Rakete, Schönhauser Allee 39 a, Mittwoch bis Sonnabend ab 20 Uhr

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