PARTY Gänger : SO36

Johanna Lühr

Ab heute ist das SO ein Club. Haben sie selbst gesagt. Basisdemokratisch entschieden. Zum Glück hat das nicht allzu viel zu bedeuten. Eigentlich nur, dass die Bühne ein bisschen vorgezogen wird. Damit man von der Bar aus bei den Konzerten zugucken kann. Und damit es nicht so leer aussieht, wenn hier mal kleinere Bands spielen. Die noch groß und bekannt werden müssen.

Das SO kennt man, selbst wenn man nie drin war, vom Hörensagen und natürlich wegen der Bands. Einstürzende Neubauten, Ärzte, Tote Hosen – der ganze Punk hat hier gespielt und noch viele mehr. Aber all das wissen die alten Berliner viel besser. Genauso wie jeder Kreuzberger, den man fragt, die Geschichte des Ladens meist hautnah miterlebt hat. Also nur ganz kurz für alle anderen, Zugezogenen.

SO36 ist das Kürzel für den alten Postbezirk „Südost 36“. Seit 1978 gibt es das SO unter diesem Namen, aber die Halle steht schon ewig. 1861 soll ein Bierlokal darin gewesen sein, später ein Kino, dann ein Atelier, ein Supermarkt und wieder ein Atelier. Es wurde geräumt, besetzt und mehrmals umbenannt. Bevor es der legendäre Punkladen wurde, von dem auch der Künstler Martin Kippenberger in seinen Berliner Zeiten ein Jahr lang Geschäftsführer war.

Mit dem Punk ist es ziemlich vorbei, aber alternativ ist es noch immer. Nur, dass die Alternativen heute mehr geworden sind: Techno, Elektro, Tango, schwul-lesbische „Oriental Party“ oder auch „Dancehall Vibes“ für die Teenager.

So wie heute. Fast winzig wirken die Jungs und Mädchen in der hohen Konzerthalle. Auf der Bühne stehen plastikblumengeschmückt das DJ-Pult und zwei Graffiti-Figuren daneben. An der Bar warten die Erziehungsberechtigten, oder vielleicht sehen sie auch nur so aus. Das Bier rutscht über den Tresen, die Luft riecht süßlich, und in der Ecke kickert eine Gruppe von Freunden. Wahrlich, ein Idyll. Das sei aber nicht immer so ruhig, sagt die Frau des Kollektivs, das den Laden führt. „Kommt drauf an, wer kommt, und kommen kann jeder.“ Genau das ist hier das Konzept: Das SO ist ein Original, das kennt jeder, das ist für alle da. Wunderbar. Das soll bloß immer so bleiben, wünscht man sich da leise für sich und laut: „Und was ist mit dem Umbau?“ „Na, ein bisschen kann sich ja ruhig mal ändern“, sagt die Kollektivfrau und schiebt den Aschenbecher weiter. Früher, als die Wände noch weiß waren und die Kühlschränke in der Mitte standen, da hätten auch alle gewollt, dass das immer so bleibt. Und dann haben sie die Wände doch irgendwann schwarz gestrichen. Mittlerweile hätten sich alle dran gewöhnt. Das ist jetzt zwanzig Jahre her. Johanna Lühr

SO36, Oranienstraße 190, Kreuzberg, heute Abend um 20 Uhr ist Club-Eröffnung mit den Bands Kumpelbasis und Sedlmeir sowie dem DJ-Team Sideburns& Switchblades. Mehr Infos gibt’s im Internet unter der Adresse www.so36.de.

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