PARTY Gänger : TAUSEND

Nana Heymann
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Heller Moment. Das „Tausend“ in Mitte ist auch ohne Werbung gut gefüllt. Foto: promo

Wer hierher kommt, hat sich nicht verirrt. Der weiß, dass sich hinter dieser unauffälligen Stahltür unter der S-Bahnbrücke einer der besten Läden der Stadt befindet. Der stellt sich dafür auch gerne an und wartet, bis ein sehr schlanker, sehr großer Herr die Tür öffnet, hineinbittet und freundlich einen schönen Abend wünscht. Der freut sich, dass er in schicker Kulisse was trinken und – wenn ihm danach ist – auch tanzen kann.

Das „Tausend“ am Schiffbauerdamm in Mitte ist zwar kein Geheimtipp mehr, aber es steht auch noch nicht in bunten Reiseführern wie sein großer Bruder, das „103“ am Zionskirchplatz. Betreiber Till Harter eröffnete die Tanzbar vor zwei Jahren. Lange hatte er gesucht, bis er auf das Gewölbe unter der S-Bahnbrücke stieß. Hier, so befand er, lässt sich das Vorhaben eines anspruchsvollen Ladens bestens realisieren. Also investierte er in Ausbau und Raumaufhübschung. Das Ergebnis sieht aus, als hätte es ein Setdesigner für einen aufwendigen Film entworfen. Flache Ledersofas stehen auf der einen Seite des Raumes, eine lang gezogene Bar auf der anderen, und am Kopf befindet sich eine Art überdimensionaler Scheinwerfer, der alles in ein angenehm milchiges Licht taucht.

Wer ins Tausend kommt, der fühlt sich vielleicht schon etwas zu alt, um sich in heruntergekommenen Clubs herumzudrücken und den ganzen Abend an einer Flasche Bier festzuhalten. Oder anders ausgedrückt: Das Tausend ist der Laden für das erwachsen gewordene Partyvolk, das nicht erst nachts um zwei zum Feiern aufbrechen, sondern um diese Uhrzeit bereits wieder heimkommen will. So wie der bekannte Medienmanager, der an diesem Abend seinen langen Körper umständlich auf eins der tiefen Ledersofas drapiert hat und dessen Kinn nun zwischen den Knien hängt. Auch ein bekannter Schriftsteller ist da, er dreht dem Medienmanager den Rücken zu – man weiß nicht, ob das etwas zu bedeuten hat. In einer Ecke steht DJ Daniel W. Best hinterm Mischpult und legt eine Mischung aus Soul und Breakbeats auf. Eine Frau in einem rückenfreien Kleid zieht ihren Begleiter zu sich heran, beginnt zu tanzen. Und auch andere Umherstehende verfallen in ein rhythmisches, beiläufiges Wippen.

Dass die Bar bislang nicht so überlaufen ist wie das 103, hat einen Grund: Betreiber Till Harter macht kaum Werbung. Er setzt ausschließlich auf Mundpropaganda. Auf die viel zuverlässigere, zielgruppensichere Flüsterpost innerhalb der Szene. Die Strategie scheint aufzugehen: An diesem Abend ist der Laden angenehm voll, man steht sich nicht gegenseitig auf den Füßen. Wie auch? Verwirrte und Verirrte sind woanders, nicht aber im Tausend. Nana Heymann

Schiffbauerdamm 11, Mitte, dienstags bis samstags ab 21 Uhr geöffnet

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