Partygänger : Bergstübl

"Mitte lebt" – so steht es auf der Karte des Bergstübls. Und das stimmt. Auch das Bergstübl lebt hier schließlich schon eine ganze Weile. Seit den achtziger Jahren heißt es so, weil es am Berg liegt, auch wenn es nur ein kleiner ist, der Prenzlberg eben.

Johanna Lühr

„Mitte lebt“ – so steht es auf der Karte des Bergstübls. Und das stimmt. Auch das Bergstübl lebt hier schließlich schon eine ganze Weile. Seit den achtziger Jahren heißt es so, weil es am Berg liegt, auch wenn es nur ein kleiner ist, der Prenzlberg eben.

Als das Lokal vor zwei Jahren pleite ging (obwohl es immer voll zu sein schien, zumindest am Wochenende), zog es vom Berg hinunter in die Invalidenstraße. Dann entzweiten sich die Inhaber, und ein ehemaliger Stammgast übernahm den Laden (einer der Ex-Inhaber hat mittlerweile ein neues Bergstübl in der Brunnenstraße aufgemacht und will den Namen nur für sich).

Viele von der alten Mannschaft sind geblieben. Nur die Einrichtung sieht noch immer ganz neu aus, das Mosaik an der Bar glitzert und die Vitrine am Tresen ist mit Kunstrasen ausgelegt. Nur die Sessel an den kleinen Tischen sind traditionell aus Sperrmüll. An den Wänden hängen große bunte Ölbilder von einem Meisterschüler aus der Universität der Künste. Ein paar Schritte davor steht das DJ-Pult, aber der Mann hat heute noch nicht viel zu tun, denn es ist heiß an diesem Abend, und die Menschen quellen wie kochendes Spaghettiwasser hinaus auf die Bürgersteige. Keiner hat heute Lust, sich zu bewegen, geschweige denn zu tanzen.

Draußen vor der Tür sitzen ein paar Gäste auf den Bänken wie die Hühner auf der Stange und gucken über die Straße. „Endlich ist der Sommer da“, sagt das Mädchen und klackert mit ihren Sandalen. „Ach, viel zu schwül“, mosert ein Junge, „bin mit dem Rad gefahren, das ging gar nicht.“ „In der Tram ist es noch viel schlimmer“, weiß ein anderer. „Und erst in der U-Bahn“, sagt ein Dritter. „Wenn ihr weiter meckert, ist der Sommer gleich wieder vorbei“, mahnt das Mädchen. Und tatsächlich läuft ein paar Minuten später ein Mann mit zwei Skischuhen in der Hand vorbei. Die Leute gucken ihm langsam hinterher, aber der Skischuhmann läuft kerzengerade weiter, verzieht keine Miene, und die Hühnergäste sind zu träge, einen Scherz zu machen.

Nur drinnen ist jetzt etwas mehr Bewegung. Da schiebt der Fotograf gerade die Leute zusammen, arrangiert die Gläser auf dem Tresen und macht aus jedem erdenklichen Winkel unermüdlich ein Foto nach dem anderen. Der Besitzer, seine Freundin und der Barmann posieren mit Engelsgeduld. Wodka für Wodka. Ab und zu kommt jemand hinein und bestellt ein Bier, oder der DJ schlendert zu seinem Pult und legt ein neues Lied auf. Und irgendwie ist es gerade schön so. Ohne große Party. Johanna Lühr

Bergstübl, Invalidenstraße 151 in Mitte, täglich ab 20 Uhr.

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