Partygänger : Der Dice-Club

Das Dice ist das Baby der Berliner Clubszene, es wurde vor knapp zwei Monaten geboren.

Nana Heymann
Gummistiefel
Gelber Werbewitz. Im Sommer hingen überall in Berlin Gummistiefel. Der Grund: ein Rohrbruch im Dice-Club. -Foto: David Heerde

Der Mann mit den abgewetzten Schuhen, deren Sohlen sich selbstständig machen, hat keine Chance. „Weißt du überhaupt, wer ich bin?“, fragt er den Türsteher, der ein Schrank von einem Mann ist. „Ich bin ein Freund des Besitzers.“ Der Schrank antwortet: „Mir egal. Kommst trotzdem nicht rein.“ Und schiebt den Bittsteller mit einer Armbewegung zur Seite.

Vielleicht liegt es am abgelatschten Schuhwerk, vielleicht aber auch an der Verzweiflung, mit der der Gast um Einlass gebeten hat. Wer ins Dice an der Voltairestraße in Mitte kommt, der sollte wissen, wie sich ein routinierter Clubgänger zu verhalten hat. Der sollte ordentlich angezogen aussehen, aber nicht zu bemüht. Der sollte brav am Eingang des bunt mit Graffiti besprühten Gebäudes warten, und zwar nach Möglichkeit so, als habe er sich hierher per Zufall verirrt, so als würde ihn das alles hier nicht groß interessieren. Das stimmt den Türsteher-Schrank milde, und er lässt einen die heiligen Hallen betreten.

Das Dice ist das Baby der Berliner Clubszene, es wurde vor knapp zwei Monaten geboren. Seine Ankunft wurde seit Anfang des Jahres ungeduldig erwartet. Doch dann machte ein Rohrbruch Betreiber Isan Oral einen Strich durch die Rechnung. Mit einem halben Jahr Verspätung öffnete der Club in dem ehemaligen Umspannwerk schließlich Ende Juli. Und Berlins Partyvolk teilte sich in zwei Gruppen: Die eine ist der Meinung, wenn schon feiern in einem stillgelegten Industriebau, dann gleich im Berghain. Die andere Gruppe schätzt Orals Bemühungen, einen fast perfekten Partyort schaffen zu wollen. Wenn bekannte DJs wie Barbara Preisinger oder Ian Pooley hier auflegen, dann klingt der Sound aus den Boxen kristallklar, dann zischelt und grummelt nix. Zwei Tanzflächen gibt es im Dice und eine freistehende, rechteckige Bar. Hier halten sich die üblichen verdächtigen Röhrenjeans-Mädchen an ihren Drinks fest, hier tun die Jungs mit den schicken Ponyfrisuren einen auf cool. Die Tanzfläche füllt sich an diesem Freitag nur langsam. Vielleicht liegt’s an den vielen Alternativen, die sich in unmittelbarer Nähe des Dice befinden. Golden Gate, WMF, Weekend sind nur wenige Schritte entfernt. Und seit Jahren etabliert. Gegen die zu bestehen, ist schwer.

Man steht am Rande der Tanzfläche, beobachtet die Gäste, lehnt an der Wand, die grau gestrichen ist. Der Sound ist gut und das Line-up auch, die Neonröhren blinken im Rhythmus, die Luft ist rein, denn Raucher müssen nach draußen gehen und sich unter ein Vordach aus Tarnnetz stellen. Alles ist so, wie es sein sollte. Man macht hier nichts falsch. Vielleicht ist das aber gerade das Problem des Dice-Clubs: Er besitzt selbst nicht die Lässigkeit, die er von seinen Gästen erwartet. Nana Heymann

Dice Club, Voltairestraße 5 in Mitte.

Geöffnet freitags und samstags ab 0 Uhr

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