Partygänger : Festsaal Kreuzberg

Streetfashion-Mekka in einer Mischung aus Ranch und Vereinsheim. Wer die paar Meter vom Kottbuser Tor in ein unscheinbares Gebäude an der Skalitzer Straße schafft, kann im Festsaal Kreuzberg die Krise wegtanzen.

Johanna Lühr
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BerlinHier passt nichts richtig zusammen. Der Festsaal Kreuzberg ist eine Mischung aus Ranch und Vereinsheim. Und gerade deswegen ganz bezaubernd.

Vom Kottbusser Tor aus geht es vorbei an den Betonklötzen ein Stückchen die Skalitzer Straße hinunter Richtung Görlitzer Bahnhof. Am Kassenhäuschen steht schon eine kleine Schlange. Auf dem Vorplatz sind eine Bar und ein paar Biertische aufgestellt. Durch die kleinen Türen links und rechts geht es hinein in den Saal.

Heute feiert hier das Magazin „Exberliner“ sein siebenjähriges Bestehen. Es erscheint auf Englisch und wird eben nicht von Ex-Berlinern, sondern von hier lebenden Engländern, Amerikanern und Franzosen gemacht und gelesen, die gemeinsam viel neuberlinischer sind als alle Mitte-Leute zusammen. Jedenfalls sehen sie so aus.

Ein Blogger für Streetfashion hätte hier seine Freude: An dem Mädchen im altrosa Blümchenkleid mit Plastikblume im Haar. An dem Mann mit Strandhut aus Cord, Parka, Bart und dunkler Sonnenbrille und an dem schmalen Jungen in Norwegerpulli und Flipflops. Die eine trägt einen wollenen Poncho, die andere schulterfrei. Das Einzige, was keine Rolle spielt, ist das Wetter (aber mit dem Berliner Sommer ist das ja eh so eine Sache).

Im Saal ist es heiß genug. Auf der kleinen Bühne vorne spielt eine Männerband in kurzen weißen Tennishosen und grünen Trikots. Noch bevor sie ihr Konzert beginnen, schenken sie ordentlich Wodka an ihre Fans aus. Eine junge Frau, die heute Abend Geburtstag hat, wird von ihren Freundinnen auf die Bühne gezwungen, wo sie tapfer einen Schluck nach dem anderen aus der Flasche nimmt. Die Menge applaudiert. Bis die Band sie wieder von der Bühne bugsiert. Dann verschwindet sie irgendwo Richtung Ausgang.

Die kleine Treppe hoch geht es hinauf auf die Galerie, von der aus man hinunter in den Saal gucken kann. Das sind nur ein paar Meter. Auf das Holzgeländer gelehnt sind die Köpfe so nah, das man den Ansatz der gefärbten Strähnchen sieht.

„Das ist doch ...“, sagt der eine. „Krass, die hat ja ganz schön zugelegt“, erwidert der andere. „Na ja, die hat auch echt Stress gerade.“ „Wegen dem Freund?“ „Nee, Arbeit.“ „Ach so.“ Der andere nickt und nimmt einen Schluck aus der Bierflasche. „Und was machst du so?“ „Nicht viel, mir ist gerade ein Job weggebrochen.“ „Logisch, Krise.“ Und dann gehen die beiden hinunter ins Getümmel und beginnen dort zu tanzen. Mit all den anderen Norwegerpulli- und Sonnenbrillenträgern. Und alles ist gut.

Festsaal Kreuzberg, Skalitzer Straße 130, Freitag, 27. Juni, ab 23 Uhr Fab01-Party.

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