Partylocations : Barfuß unterm Bambus

Ein altes Kraftwerk, ein Feriendorf: Wie Partyveranstalter zu neuen Ufern aufbrechen.

Stephanie Kirchner
Tropenflair. Die Temperaturen in diesem Sommer passen schon mal. Damit das Ambiente stimmt, karren Partyveranstalter wie hier in Grünau einfach noch ein bisschen Sand an.
Tropenflair. Die Temperaturen in diesem Sommer passen schon mal. Damit das Ambiente stimmt, karren Partyveranstalter wie hier in...Foto: promo

Die Rentner aus der Kleingartenkolonie am Spreeufer mögen ihren Augen nicht getraut haben. Da schipperte eine Flottille von zehn mit ekstatisch tanzenden Ravern besetzten Ausflugsbooten an ihnen vorbei. Die Reaktionen reichten von unwillig bis begeistert, manch älterer Zuschauer soll gar selbst wild getanzt haben.

Bob Sharestani, Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur Workisplay, ist solche gemischten Gefühle gewohnt. Er ist schon seit über zwanzig Jahren im Partygeschäft und hat sich auf Events an und im Wasser spezialisiert. Für die unter dem Namen „Stadt Strand Fluss“ laufende Veranstaltungsreihe zweckentfremden er und seine Kollegen mit Vorliebe Orte, die der Berliner eher unter der Rubrik harmloses Wochenendvergnügen abgespeichert hat. Wie das Strandbad Grünau, das man mit eigens aus Thailand per Container eingeschifften Dekorationen in eine exotische Strandlandschaft verwandelte, ein DJ-Pult aus Bambus inklusive. „Da treffen schon zwei Kulturkreise aufeinander,“ sagt Sharestani und lacht, „die Partygäste sind ja oft etwas schriller unterwegs als Badegäste mit ihren Handtüchern.“

Am Wochenende findet die „Berlin Beach Break“ wieder statt. Für die etwa 2000 erwarteten Partygäste steht ein Bootsshuttle bereit, mit dem sich die Gäste bequem vom Treptower Hafen aus zum Veranstaltungsort bringen lassen können. Dort werden in elektronischen Musikszenen namhafte DJs wie Richie Hawtin und André Galuzzi auflegen. Mit der Partyreihe wollen sich die Veranstalter „dem Thema Wasser annähern“. Mit ihren zahlreichen Gewässern sei die Region Berlin dafür ideal. „Die Partygäste von außerhalb wissen of nicht, dass Berlin so viele Wasserflächen hat. Eine echte Perle, die gar nicht so richtig genutzt wird“, meint Sharestani, der seit 2002 in Berlin Partys veranstaltet.

Ein weiterer Coup der Partymacher ist das für den 22. August geplante „Sunday Getaway“ am Kraftwerk Rummelsburg, zu dem unter anderem der italienische DJ Marco Carola erwartet wird. Der Industriekulisse aus den 60er Jahren soll tropisches Flair vermacht werden, indem man 270 Tonnen Sand auf das Areal transportiert. Und wem das noch nicht ungewöhnlich genug ist: Auch das idyllische Feriendorf Müggelsee mit seinen noch sozialistisch anmutenden Schlafhütten soll bald vom Partyvolk gestürmt werden. Allerdings gibt es noch Probleme mit den Behörden, denn bei einer in der Vergangenheit von anderen Veranstaltern auf dem Gelände abgehaltenen Feier hatten verärgerte Anwohner das Ordnungsamt alarmiert. Damals „hatten die es ein bisschen übertrieben. Wir versuchen immer, Rücksicht zu nehmen. Am See hört man die Bässe ja noch drei Kilometer weiter“, sagt Sharestani. Ein Konkurrent von Sharestani lädt zu einem ähnlichen Event, dem „Licht & Liebe“-Festival, das gleich zwei Tage und zwei Nächte, vom 13. bis zum 15. August, am Spreestrand vor dem Yaamclub am Ostbahnhof stattfinden soll. Hier kommen auch Liebhaber von Gipsyjazz auf ihre Kosten. Diverse Perfomancekünstler sollen das Gelände bespielen.

Wenn andere Veranstalter in dieser Stadt zu spontanen und halb legalen Partys laden, hat Sharestani prinzipiell nichts dagegen: „Solche Partys haben durchaus ihren Charme, zumal man dann auch an Orten feiern kann, für die man nie eine Genehmigung bekommen würde.“ Denn, so der Wahl-Kreuzberger, in einem Bunker oder einem U-Bahnschacht gäbe es eben keinen Notausgang – nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg ein großes Thema für Veranstalter.

Er sucht deshalb lieber weiter nach neuen, ungewöhnlichen, aber legalen Partylocations. Vielleicht demnächst in der Kleingartenkolonie?

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