Stadtleben : Peking-Platte

Warum Judith Holofernes Chinesisch singt

„Es gab schon so einen Schockmoment“, sagt Judith Holofernes. Als sie feststellte, wie viele Laute es im Chinesischen gibt, die man im Deutschen gar nicht kennt. „Ich habe mir dann meine eigene Lautschrift zusammengebastelt.“ Letztlich hat es aber doch geklappt: Mit ihrer Band Wir sind Helden hat die Sängerin das Stück „Kaputt“ für das CD-Buch-Projekt „Poptastic Conversation China“ eingespielt. Da singen deutschsprachige Sänger auf Chinesisch, und Musiker aus China versuchen sich auf Deutsch.

Insgesamt sind 19 – auch schweizerische und österreichische – Künstler am Projekt des Goethe-Instituts beteiligt, darunter Die Sterne und Oliver Peter von King Superbia. Kurz vor Olympia und den Paralympics gewährten Initiator George Lindt von „Alive“ Entertainment Marketing und beteiligte Künstler aus allen Ländern gestern einen Einblick in die Produktion. So war es sehr schwer, Künstler wie die Hongkonger Band My Little Airport zu überzeugen: Wenn Asiaten etwas nicht gelingt, fürchten sie, kulturell bedingt, Gekichere als Beleidigung. Und auch Sänger Farin Urlaub von den Ärzten wurde deutlich, dass es nicht so leicht ist, deutsche Bilder wie im Teenie-Aufmotzer-Lied „Junge“ zu übersetzen. Beleidigt das womöglich Gefühle, weil Elternliebe und Kindespflicht in China viel größer geschrieben werden als hierzulande?

Doch genau darum ging es den Initiatoren, wie schon beim japanischen Vorgängerprojekt: Menschen einander näherzubringen, zeitgenössische deutsche Kultur zu vermitteln. Für alle, die tiefer einsteigen wollen, gehört zu dem dicken CD-Buch mit Infos zur Musikszene hüben und drüben auch ein Deutsch-Chinesisch-Kurs von Pons Verlag und Goethe-Institut. Die Songtexte sind jedenfalls sicher in beiden Sprachen trotz aller Mühe nicht richtig zu verstehen. Am 8. August erscheinen zudem Buch und DVD zum Film „Beijing Bubbles“ über Punk und Rock in Peking (25,90 Euro), auch hier führte George Lindt Regie. kög

Das CD-Buch mit Sprachkurs kostet 17,90 Euro im Platten- und 19,90 im Buchhandel. Einer der Musiker aus China, Liu Donghong von Shazi, spielt bei der Record-Release-Party mit Präsentation von „Beijing Bubbles“ am 2. August um 21 Uhr im Kino Blow Up, Immanuelkirchstraße 14 in Prenzlauer Berg.

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