Stadtleben : Performance beim Bäcker

100 Künstler in 50 Läden: Heute ist „Magistrale“ in der Potsdamer Straße

Anja Brandt

Der Alltag soll heute in der Potsdamer Straße in Tiergarten ordentlich durcheinandergebracht werden. So lautet jedenfalls das Konzept der „Magistrale 2008“. Das Kunst- und Kulturevent findet heute ab 10 Uhr zwischen Bülowstraße und Schöneberger Ufer sowie in einigen Seitenstraßen statt. Anwohner und Passanten treffen in rund 50 Geschäften, Cafés, Kultureinrichtungen und Höfen auf die Werke von über 100 Künstlern. Außerdem sehen und hören sie Performances mit Schauspiel und Musik.

„Der Alltag ist an einigen Stellen verfremdet“, sagt Nina Korolewski, Projektleiterin und Organisatorin des Kulturevents. Beeinträchtigungen soll es trotz einzelner Veranstaltungen auf Straßen und Gehwegen nicht geben. „Die Leute werden nur irritiert sein, denn sie treffen an Orten auf Kunst, an denen sie nicht damit gerechnet hätten.“

So sind die Schaufenster oder ganze Ladenflächen von Frisör, Supermarkt, Bäcker oder Apotheke heute mit Skulpturen, Fotografien oder Gemälden geschmückt. Eine Boulangerie beispielsweise wird zum „Schlafcafé“: Hier wird es nicht um die belebende Wirkung von Koffein gehen, sondern darum, wie man am besten einschläft. Zwischen 14 und 18 Uhr gibt es für drei- bis 16-Jährige im Beachgarden in der Pohlstraße 11 die „Kindermagistrale“ mit Kunst „zum Ausprobieren und Staunen“.

Die Magistrale geht in diesem Jahr in ihre sechste Auflage. Und auch der Tagesspiegel ist wieder dabei: In den Fenstern des Verlagshauses in der Potsdamer Straße 87 zeigt Beatrix Schnippenkoetter, freie Journalistin, ihre Ausstellung „brandheiß“. Zu sehen sind hier die Bilder und Schlagzeilen des Tagesspiegels aus dem Sommer 2008, die Schnippenkoetter auf zwei Meter hohen Sperrholzplatten verewigt hat.

Vor gut vier Monaten hatten die Veranstalter der Magistrale, das Quartiersmanagement Magdeburger Platz und die Interessengemeinschaft Potsdamer Straße, mit den Planungen begonnen. „Bei den Gewerbetreibenden sind wir auf Interesse und Humor gestoßen“, sagt Korolewski. „Wir fühlen uns der Potsdamer Straße zugehörig, deswegen wollten wir mitmachen“, sagt Hartmut Barel, Filialleiter der Berliner Sparkasse. An der Fassade des Geldinstituts ist eine Lichtskulptur zu sehen. Bis „open end“ finden viele Veranstaltungen statt. Für alle ist der Eintritt frei. Anja Brandt

Weiteres im Internet:

www.magistrale-kulturnacht.de

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