Pfefferberg : Chinesen kaufen sich in die Szene ein

Investoren aus Hongkong wollen das marode Areal am Pfefferberg entwickeln. Teure Sanierung also? Nein, die Kunst bleibt. Die Nachbarn freuen sich.

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Der Pfefferberg zieht mit seinem Charme immer wieder Künstler, Clubs und Galerien an. Nun will eine Investorengruppe aus Hongkong die Kellergewölbe der einstigen Brauerei von Joseph Pfeffer in Ausstellungsräume verwandeln.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kitty Kleist-Heinrich
06.03.2012 17:08Der Pfefferberg zieht mit seinem Charme immer wieder Künstler, Clubs und Galerien an. Nun will eine Investorengruppe aus Hongkong...

Der Pfefferberg zieht mit seinem Charme immer wieder Künstler, Clubs und Galerien an. Nun will eine Investorengruppe aus Hongkong die Kellergewölbe der einstigen Brauerei von Joseph Pfeffer in Ausstellungsräume verwandeln. Für die Projektentwickler um den Hauptgesellschafter Klaus D. Krebs ein Glücksfall. Denn die Umwidmung des Areals in ein Kreativzentrum gestaltete sich immer wieder schwierig. Die Clubs mussten wegen der Lärmbelästigung der Nachbarn weichen, Galerien wie einst Rafael Vostell gaben nach wenigen Jahren wieder auf. Zuletzt zog sich das BMW-Guggenheim-Lab – ein mobiles Forschungslabor, das durch neun Weltstädte tourt und 2011 in New York startete – vom Pfefferberg zurück und wird in diesem Frühjahr am Schlesischen Tor in Kreuzberg Station machen.

Nun sollen die Geschäftsleute aus Asien dem Areal, das seit 1999 saniert wird, neuen Schwung verleihen. Aber auf keinen Fall wird es eine rein chinesische Angelegenheit, betont Martin Heller. „Es handelt sich um eine kleine Gruppe, die global denkt und agiert“, so der Rechtsanwalt, der die Investoren in Berlin vertritt. Erfahrungen in der Entwicklung von Kunstprojekten haben sie nicht, doch als Kunstsammler seien sie bei Besuchen des Berliner Gallery Weekends vom Flair und der Szene an der Spree begeistert gewesen – und eben auch von den unterirdischen Gewölben am Pfefferberg, die Mitte des 19. Jahrhunderts als Gär- und Lagerkeller erbaut wurden.

Einen Vorteil sieht Heller in der Tatsache, dass die Entwicklung am Pfefferberg zwischenzeitlich ins Stocken geriet: „Der Charme des Geländes ist dadurch unverdorben.“ So soll es auch bleiben. Mit behutsamen Eingriffen soll die „kostbare Brache“ erst einmal publikumsfähig saniert werden. Was einst seinen Platz dort finden wird, ob man mit Galeristen zusammenarbeitet oder mit Kuratoren, darüber hüllt Heller sich ebenso in Schweigen wie über das Investitionsvolumen. „Es wird zeitgenössische, internationale Kunst auf anspruchsvollem Niveau präsentiert. Aber wir stehen mit dem Vorhaben noch sehr am Anfang. Es ist ja ein kompliziertes Gebäude. Das hat meine Mandanten auch gereizt. Jetzt geht es zunächst einmal um die bauliche und technische Planung. Wenn wir damit weiter sind, kommt die inhaltliche Ausrichtung.“ Einen Baubeginn sieht Heller frühestens 2013 und versichert, dass es sich um ein „Liebhaberprojekt“ handele.

Erfahrungen mit der Umwandlung von Brauereigeländen in Kunsträume haben sich bislang in Berlin eher heikel gestaltet. Nicht zuletzt scheiterte 2001 das Vorhaben, die Berlinische Galerie in der ehemaligen Schultheiss-Brauerei in Kreuzberg anzusiedeln, weil die Investoren des Viktoria-Quartiers Insolvenz anmeldeten. Eine solche Gefahr sieht Martin Heller für den Pfefferberg nicht. „Es wird ja keine Anlage mit Luxus-Eigentumswohnungen geplant, sondern ein rein privates Kunstprojekt“, sagt Martin Heller. „Zudem finden meine Mandanten es sehr angenehm, dass die Einnahmen in eine Stiftung für soziale Projekte fließen.“

Und man befindet sich in guter Nachbarschaft. Der berühmte dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson hat hier sein Studio mit über vierzig Mitarbeitern, die Architekturgalerie Aedes, der Kopenhagener Galerist Mikael Andersen sowie die japanische Galerie Akira Ikeda sind mit Dependancen vertreten, und der renommierte Architekt Sergej Tchoban, der sich mit spektakulären Bauten in Deutschland und Russland einen Namen gemacht hat, errichtet ein Museum für seine Privatsammlung mit hochkarätigen Architekturzeichnungen. Die Pläne der zukünftigen Nachbarn begrüßt der gebürtige Russe außerordentlich. „Immerhin haben wir dieses Jahr auch einen Pritzker-Preisträger aus China und überhaupt finde ich den Pfefferberg einen höchst spannenden Ort“, sagt Tchoban dem Tagesspiegel.

Dass der wohl berühmteste chinesische Künstler Ai Weiwei mit im Boot sei, bezeichnet Heller allerdings als „Gerücht“. Aber mit oder ohne Ai – der in Peking unter Hausarrest steht – scheint sich der Pfefferberg auf lange Sicht doch noch in ein Kunst- und Kulturzentrum mit internationaler Ausstrahlung zu entwickeln.

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