Pferdeshow Cavalia : Wehende Mähnen und schwebende Menschen

Für zwei Wochen hat die Pferdeshow Cavalia ihre Zelte auf dem Potsdamer Platz aufgeschlagen. Bei der Vorstellung bilden Tiere und Menschen eine Einheit im Farbenmeer der Manege.

Cavalia
Liebestanz mit Ross. Wie Vögel segeln die Tänzerinnen durchs Zelt, bevor sie bei den Reitern auf den Pferden landen. -Foto: ddp

Für Schauspieler Christoph M. Orth gab es nur eine Antwort: „Angst“. Das ist es, was er mit Pferden verbindet. Zur Premiere von „Cavalia“ ist er trotzdem gekommen – und hat sich nicht gefürchtet: Gut zwei Stunden zeigten 35 Akrobaten und 50 Tiere am Dienstagabend im Zelt am Leipziger Platz, dass Pferde entgegen ihrem Ruf, etwas dämlich zu sein, sehr gelehrig sind, tänzerisch begabt und womöglich über eine Art Humor verfügen.

Sie spielten Hasch-mich mit ihrem Cheftrainer Frédéric Pignon, nahmen ihm die Gerte aus der Hand und jagten ihn, und manches Mal, wenn Pignon besonders vergnügt ins Publikum strahlte, gähnten die Tiere herzhaft. Dabei wehten allzeit ihre Mähnen so glänzend und zauberhaarhaft, dass manche Zuschauerin im voll besetzten Zelt sich schwor: „Das Shampoo probier’ ich auch mal!“ (bei der Stallbegehung nach der Show wurde „Herbal Essences“ in den Pferdeduschen entdeckt).

Zwei Stunden „Cavalia“, das waren zwei Stunden voller Stimmung und Artistik: die meterlange Bühne wurde in einen Farbenrausch versetzt. Dazu schwirrten Trapezkünstler durch die Luft, dauernd machte irgendwo irgendjemand ein Flick-Flack, und dann wieder die Tiere: als wilde Rösser im getreckten Galopp oder als tänzelnde Diva. Projektoren malten ein Kollosseum, den Herbstwald oder ein Eisschloss an die Wände, ein Orchester gab die schönste Musik dazu und schnell war vergessen, dass das dort unten einfach nur Pferde sind – und keine Fabelwesen. So nämlich wirkte es: als wären die Reiter und allen voran Pignon und Ehefrau Magali Delgado und ihre Tiere von einer Art, Kollegen quasi. Ohne jedes Zaumzeug dirigierte Pignon bis zu drei Hengste gleichzeitig durch Pirouetten, ließ sie sich verbeugen oder küssen. Und wenn Magali Delgado im langen Märchenkleid, eingetaucht in glitzerndes weißblaues Licht, zeigte, was ihr Pferd Dao alles kann, ohne dass sie einen Zügel hatte, dann jubelte mancher im Publikum ergriffen los. Vielleicht einer von denen, die sich in den vielen Reitställen Berlins allwöchentlich damit abquälen, überhaupt nur mal im Kreis zu reiten. ari

Cavalia ist bis zum 8. Juli in Berlin. Tickets ab 25,85 Euro (Tel. 01805/ 570 005)

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