Planschvergnügen : Besser im Becken baden

Badewarnung für Berliner Gewässer: Behörden raten auch für die kommenden Tage vom Sprung in die Seen ab - trotzdem stürzen viele Berliner ins kühlende Nass.

Baden
Badewarnung: Jugendliche am Schlachtensee kümmert die Warnung nicht. -Foto: Rückeis

Sonne satt, glitzernde Gewässer – und kaum einer schert sich um die Badewarnung: An allen Stränden stürzten sich gestern tausende Berliner ins kühlende Nass, obwohl das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) am Dienstag ausdrücklich von diesem Vergnügen abgeraten hatte. Durch die heftigen Regenfälle der letzten Tage seien Schmutz und Abwässer teils ungeklärt in die Seen und Flüsse gespült worden, verkündete die Behörde. Doch angesichts des Superwetters schoben die meisten Erfrischungssuchenden alle Bedenken zur Seite. „Dann halten wir den Mund eben gut überm Wasser“, verkündeten gestern Mittag Jessica und Sophie von der siebten Klasse der Zehlendorfer Wilma-Rudolph-Oberschule, bliesen ihr Schlauchboot auf und warfen sich damit dank des Hitzefrei in den Schlachtensee.

Auch an den Badewiesen und -buchten der Krummen Lanke, an den Havelstränden, im Strandbad Wannsee, am Tegeler See oder am Weißensee wurden schon am frühen Vormittag die Badetücher ausgebreitet, Sonnenschirmchen aufgeklappt, Picknickkörbe geleert – und selbst die Jüngsten ausgiebig abgespritzt. „Die Grunewaldseen gehören zu den saubersten Gewässern Berlins, das wird hier schon nicht so schlimm sein“, riefen sich Mütter am Schlachtensee gegenseitig zu und flachsten: Danach gehen wir alle kräftig duschen!“ Im Strandbad Weißensee hatte der Pächter einen Hinweis auf mögliche gesundheitliche Gefahren an der Kasse ausgehängt – davon beeindruckt war aber nur eine Schulklasse, die sicherheitshalber den Rückzug antrat.

Die Empfehlungen der Behörde betreffen vor allem die Dahme und Spree in Köpenick und die Obere Unterhavel zwischen Spandau und dem Grunewaldturm. In der Havel landet das gesamte Dreckwasser, das die Spree aus der Innenstadt mit sich führt. Der Dreck entsteht vor allem durch ungeklärte Abwässer und nur zu einem verschwindend geringen Teil durch den auf den Straßen liegenden Hundekot. Weil das Dreckwasser in so großen Mengen auftritt, schaffen es die Mischwasserkanalisation und die Pumpstationen in der Innenstadt nicht mehr, diese Mengen in die Klärwerke zu pumpen – es fließt ungeklärt in die Flüsse. Da über Überläufe auch die Seen betroffen sind, hat die Behörde vorsorglich vom Baden in allen natürlichen Gewässern abgeraten.

Die Messungen und Ergebnisse laufen noch. Für die Dahme sollen sie morgen vorliegen, für die Unterhavel und die Seen erst Ende kommender Woche. Die Behörde erklärte dies mit den Messfahrten der Boote, die zum Teil erst Anfang nächster Woche erfolgen. Bis dahin empfiehlt die Behörde, die Schwimmbäder mit gechlortem Wasser aufzusuchen. Die Situation werde sich, so die Behörde, durch neue starke Gewitter zunächst nicht verbessern.

Infolgedessen sieht Bäder-Vorstand Klaus Lipinsky die Situation relativ gelassen: „Herzlich willkommen in einem unserer 16 Sommerbäder.“ Lipinsky hat gut lachen: Außer dem Strandbad Wannsee sind alle Bäder an natürlichen Seen an Private verpachtet. Einen eventuellen Einnahmeausfall stecken die Bäderbetriebe also vergleichsweise leicht weg. cs/oew

Informationen: Telefon 9012-5555. Im Netz: www.berlin.de/badegewaesser

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben