Polit-Kissenschlacht : Immer feste druff für Tibet

Junge Schauspieler lieferten sich in der Bar 25 eine heftige Kissenschlacht. Szenepromis wie Meret Becker oder Oktay Özdemir traten für Tibet in der Holzarena an.

G,a Bartels
Kissenschlacht
Volle Deckung. Jungstar Anna Brüggemann (rechts) geht in die Abwehr. -Foto: Dirk Lässig

Wahnsinn, wie eine Kissenschlacht im Scheinwerferlicht staubt. Hat man früher im Kinderzimmer gar nicht so gemerkt. Schon kurz nach Mitternacht als die „Kissenschlacht-Competition für ein freies Tibet“ gerade mal eine halbe Stunde läuft, fragen die ersten Kämpfer nach Taschentüchern. Und auch drinnen in der Circus Maximus genannten Holzarena der Bar 25 nicht weit vom Ostbahnhof, knallen Niessalven in die laue Sommernacht.

Damit haben die 16 Schauspielerteams, die sich Freitagabend bei der Spaßprotestaktion die dicken Polsterdinger um die Ohren kloppten, nicht gerechnet: Heuschnupfen für Tibet!

Ausgeheckt hat die Kissenschlacht das Team des Schauspielagenten Georg Georgi. Dem liegen als Ex-Ossi Menschenrechte besonders am Herzen, wie er bekennt. Und weil er in der Filmbranche viele kennt, die auch wieder viele kennen, sind Szenepromis wie Meret Becker, Oktay Özdemir, Anna Brüggemann oder Regisseurin Vanessa Jopp dabei.

Jopp hat sich für Tibet in ein schickes Glitterkleid geworfen. Mit zwei hippen Kollegen sitzt sie in der Regisseursjury, die die Kissenklopper nach jeweils einer Kampfminute im K.O.-System mit rot-grüner Schaffnerkelle ausknockt. Ob Jopp Kissenschlachten für ein ernsthaftes Mittel politischer Meinungsäußerung hält? „Nö, aber für ein freches Mittel!“ Es sei halt mal ein anderer Versuch, den von China seit über 50 Jahren drangsalierten Tibetern Öffentlichkeit zu verschaffen.

Klappt ganz gut, wenn man sich die mitfiebernde Meute aus politisch bewussten Partypeoplen so anschaut. Christoph aus Prenzlauer Berg ist jedenfalls „wegen Tibet“ da und nicht wegen der Party. Freundin Yvonne findet Aktion, Thema und die „verrückten Akteure“ stimmig.

Backstage treffen weitere Kämpfer ein: Meret Becker kommt für Tibet direkt von der Bühne im Admiralspalast angehechelt und wirft sich mit Korsage und wilder Schminke in die Schlacht. Ist Tibet samt Dalai-Lama-Hype nicht nur ein Modethema? „Egal“, verteidigt sie den Spaßprotest, „den Leuten dort geht's ja nicht besser, nur weil’s uns aus den Ohren kommt.“

Überhaupt ist die Künstlertruppe gar nicht unreflektiert. Bei Schauspielerin Yangzom Brauen kein Wunder: Die Deutsch-Tibeterin ist Aktivistin der Tibet Initiative, an die das Eintrittsgeld geht. Zusammen mit Oktay Özdemir, den man als Kiezkiller aus Filmen wie „Knallhart“ kennt, hockt die Finalistin kaputt auf dem Sofa. Megaanstrengend sei's gewesen, ächzen die beiden Kissenschlachtgewinner. Ob sie noch mal eine machen würden? „Für die Freiheit der Menschen immer!“

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