Pop : Schlager auf Lager

Eine 25-Jährige interpretiert alte Ost-Melodien neu. Dafür war sie im Archiv für DDR-Rockgeschichte.

Maria Ugoljew
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Probezeit. Bald spielen Suse Jank und Clemens Süssenbach in Mitte. Foto: Thilo Rückeis

„Wenn die Nacht aus den Wolken fällt, wird die Welt eine Märchenwelt. Prinzen reiten auf Liebe aus, Mädchen schleichen sich aus dem Haus.“ So lyrische Zeilen hat die Ost-Berlinerin Petra Zieger gesungen, 1987 war das, auf ihrem Album „Katzen bei Nacht“.

Wie konnte der Song bloß je in Vergessenheit geraten, fragt sich Suse Jank heute. Die 25-Jährige ist in Ost-Berlin geboren, auch nach dem Mauerfall ließen ihre Eltern im Wohnzimmer DDR-Schlager laufen – von Bands und Künstlern wie Veronika Fischer, Silly, Lift oder eben Petra Zieger. Suse Jank will den alten Songs nun neues Leben einhauchen: „Ostpoesie“ heißt ihr Projekt, das die Sängerin gemeinsam mit ihrem Pianisten und Arrangeur Clemens Süssenbach vorantreibt. Der ist in Zehlendorf aufgewachsen und hat „damals nicht viel von der DDR mitbekommen, besonders nicht musikalisch. Da war man eher mit Vorurteilen behaftet.“ Nur die Band City war ihm schon ein Begriff, bevor er mit Jank auf Songsuche ging. Auch City-Lieder interpretiert das Duo neu, dazu haben sie Kompositionen von Manfred Krug und Renft im Repertoire. „Mit einigen Musikern stehen wir persönlich in Kontakt, schon allein um die Bearbeitungsrechte für Songs einzuholen“, sagt Suse Jank, die in Berlin und Weimar Schulmusik mit den Schwerpunkten Gesang, Klavier und Schlagzeug studiert hat. Mit ostalgischen Gefühlen habe ihr Projekt übrigens nichts zu tun: „Ich finde, die Lieder sind einfach wunderschön.“

Gerade verbringt das Duo viel Zeit im Studio, am 30. November soll das Debütalbum erscheinen. Und schon am 5. November wollen Jank und Süssenbach in der Kunstfabrik Schlot in der Chausseestraße in Mitte auftreten, ein Streichquartett soll sie begleiten. Ein paar Lieder kann man sich bereits auf ihrer Internetseite www.susejank.com anhören.

Besonders für Clemens Süssenbach war es ein Abenteuer, die unbekannten Songs zu entdecken und sich anzueignen. Einige brachte Jank von zu Hause mit, andere holten sie aus dem Archiv für DDR-Rockgeschichte der Universität Potsdam, das von Birgit Jank, Mutter der Sängerin und Musikprofessorin, angelegt wurde. So hörten sie sich gemeinsam durch die gesamte Rock- und Pop-Geschichte der DDR. Suse Jank legte bei der Song-Auswahl viel Wert auf die Texte: „Ich finde, die haben oft eine wirklich poetische Bildsprache, wie zum Beispiel ,Wenn du schläfst mein Kind‘ von Manfred Krug.“ Da heißt es etwa: „Wachst du endlich auf, seh ich in die Tiefe deiner Augen, und mir ist, als riefe es wie Gesang von Glück und Seeligkeit zu mir herauf.“ Nun singt das Lied Suse Jank – weiblich-innig und sehr verträumt.

Bei Liveauftritten merkt die 25-Jährige: Das Publikum ist oft ergriffen. Manchmal auch zu Tränen gerührt. „Und da ist es egal, ob wir in den neuen oder den alten Bundesländern spielen“, sagt Clemens Süssenbach. Maria Ugoljew

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