Popkomm : Musik aus der Hauptstadt

Wenn morgen die Musikfachmesse Popkomm unterm Funkturm beginnt, sollen erstmals deutsche Künstler im Mittelpunkt stehen. Klänge aus Berlin sind zum globalen Exportgut geworden.

Nana Heymann/ Sebastian Leber

Klar kann man mit deutschsprachigen Songs im Ausland erfolgreich sein. Man muss sich nur zu helfen wissen. Die Einstürzenden Neubauten etwa geben ihren englischsprachigen Fans im Internet Tipps, wie die zumindest die Titel ihrer Lieder korrekt aussprechen können: Das neue Stück „Von wegen“ solle man einfach „fawn vey-gun“ nennen. Und den Titel „Ich hatte ein Wort“ spreche man „Ish hah-tuh ain vort“ aus.

 Wenn morgen die Musikfachmesse Popkomm unterm Funkturm beginnt, sollen erstmals deutsche Künstler im Mittelpunkt stehen – und deren Chancen auf dem internationalen Markt. Dazu haben die Veranstalter Deutschland zum offiziellen Partnerland der Messe ernannt. Aus gutem Grund: Viele einheimische Künstler tun sich schwer mit der weltweiten Vermarktung.

In Berlin klappt das schon ganz gut. Einige Bands und Solokünstler haben sich in Übersee einen Namen gemacht, sind im Ausland manchmal sogar bekannter als zu Hause. Das gilt vor allem für die vielen DJs, die mit Techno und House die Marke „Made in Berlin“ auf Electro-Festivals verbreiten. Auch Bands, deren Texte zwar deutsch, aber schlicht genug zum Trotzdem-Mitsingen sind, haben im Ausland Erfolgschancen. Bestes Beispiel ist die Gruppe Rammstein: Zeilen wie „Du. Du hast. Du hast mich. Du hast mich gefragt“ sind einprägsam, dazu machen die Berliner auf der Bühne stets ein riesiges Feuerwerk – das versteht man überall auf der Welt.

Andere versuchen sich anzupassen: Liedermacher Reinhard Mey feiert in Frankreich als Frédérik Mey Erfolge; als erster ausländischer Sänger überhaupt erhielt er den „Prix international de la chanson française“. Und Wir sind Helden haben mehrere Songs komplett auf Französisch übersetzt. Die spielen sie bei Tourneen als „Gastgeschenke“, wie sie sagen.

Eine Gruppe, die in Deutschland schon alles erreicht hat, wartet bis heute auf den kommerziellen Durchbruch im Ausland: die Punkband Die Ärzte. Immerhin kann das Trio bereits eine Tour durch Uruguay, Chile und Argentinien vorweisen. Außerdem kommt der Band in Lateinamerika und den USA eine besondere Ehre zu: Dort werden Ärzte-Texte an Schulen im Deutschunterricht besprochen, die Schüler dürfen Sätze wie „Männer sind Schweine“ und „Die fette Elke“ in ihre Landessprache übersetzen. Da können die Ärzte stolz drauf sein. Nana Heymann/ Sebastian Leber

Einige der hier vorgestellten Künstler treten in dieser Woche im Rahmen der Popkomm auf: Am Donnerstag spielen Gods of Blitz ab 21 Uhr im Café Zapata (OranienburgerStraße 54), Modeselektor ab 23.45 Uhr im Watergate (Falckensteinstraße 4). Am Freitag legt Paul van Dyk in der Treptower Arena auf (Eichenstraße 4, ab 23 Uhr), Jazzanova ab 21 Uhr im Tape in der Heidestraße 14.

0 Kommentare

Neuester Kommentar