Potsdamer Platz : Boulevard der Stars am Potsdamer Platz

Bis zum Sommer 2010 soll die Potsdamer Straße den „Boulevard der Stars“ erhalten – für die Straßenbahn wäre dennoch Platz. Die Ideen kommen unter anderem vom Architekturbüro Graft, das auch mit Brad Pitt zusammenarbeit.

Andreas Conrad
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So soll er aussehen, der Boulevard der Stars. -Foto: Graft/Art + Com

Autogrammjäger zu sein, ist ein harter Job. Eingekeilt zwischen Hunderten kreischender Fans streckt man dem womöglich übellaunigen Star Foto und Stift entgegen, bekommt bestenfalls ein unleserliches Gekrakel, allzu oft aber nichts. Das muss nicht sein, es geht auch bequemer. Wenn alles glatt läuft, wird sich der Unterschriftensammler binnen Jahresfrist in aller Ruhe selbst bedienen – durch Abpausen der begehrten, in Bronze gegossenen Signatur. Und er kann sich mit dem – leider nur virtuellen – Star seines Herzens gleich Arm in Arm fotografieren lassen, zur eigenen Freude und höheren Glaubwürdigkeit des Autogramms.

Vergessen wir Hollywoods „Walk of Fame“, die Zukunft der Verherrlichung unserer Filmidole heißt „Boulevard der Stars“ und liegt mitten auf der Potsdamer Straße. Seit 2003 wird die Idee vom Förderkreis des Museums für Film und Fernsehen, besonderes durch Vorstandsmitglied Gero Gandert, betrieben. Im Jahr darauf konnte als Siegerin eines ersten Wettbewerbs die Londoner Architektin Zaha Hadid präsentiert werden, deren Entwurf sich später als nicht zu finanzieren und technisch nur schwer realisierbar erwies. Ein neuer Wettbewerb musste her, nun unter Ägide der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Mit ihrem gemeinsamen Entwurf gewonnen haben die Architektengemeinschaft Graft und das auf Neue Medien spezialisierte Büro Art + Com, beide aus Berlin. Am Montagabend wurde im Filmhaus an der Potsdamer Straße eine Ausstellung eröffnet, mit den Entwürfen der engeren Wahl und vor allem dem Siegerprojekt.

Graft und Art + Com haben das „Premierendefilee auf dem roten Teppich“ zum Ausgangspunkt ihres Entwurfs genommen: Grundfläche des Boulevards soll daher ein Teppich aus rotgefärbtem Asphalt werden, vor allem auf dem bislang weitgehend kahlen Mittelstreifen zwischen Potsdamer Platz und Ben-Gurion-Straße. An den Endpunkten wölbt sich der „Teppich“ hoch, dort wird es Informationen etwa über die geehrten Personen – neben Schauspielern Regisseure, Kameraleute und Vertreter anderer Film- und Fernsehberufe – und die Lage ihrer Sterne geben.

Die Stars werden nach den bisherigen Plänen durch – nun doch an Hollywood erinnernde – fünfzackige Sterne geehrt, samt Namen, Beruf, Lebensdaten und Autogramm. Die Sterne sollen in den Asphalt eingelassen werden. Dazu gibt es stilisierte Kameras mit einem eingebauten, bis heute im Film üblichen Spiegeltrick: Sieht man hindurch, wird der jeweilige Star ins Blickfeld projiziert, man sieht dann dessen „Geisterbild“ und das der realen Person, die sich vor dem Guckgerät – und scheinbar neben dem Star – aufgebaut hat. Schließlich soll es auch pro Stern und Star einen Scheinwerfer geben für die abendliche Illumination.

In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Kritik an den Sternen auf dem Mittelstreifen gegeben. Für diesen gibt es seit langem konkurrierende, wenngleich noch nicht zeitlich festgezurrte Planungen für eine Straßenbahntrasse, in der Leipziger Straße wurden die Gleise bei der Erneuerung der Straße vorsorglich gleich verlegt. Graft und Art + Com, die schon die Verlängerung ihres Boulevards gen Westen, erweitert um die Themen Musik, Literatur, Bildende Kunst, ins Gespräch brachten, versichern, dass diese Möglichkeit berücksichtigt sei; ihr Boulevard funktioniere auch mit Straßenbahn.

Für die Finanzierung steht etwas über eine Million Euro bereit, überwiegend Wirtschaftsfördermittel der EU. Die späteren Kosten für Unterhalt und neue Sterne will die „Boulevard der Stars Gemeinnützige GmbH“ über Sponsoren finanzieren, wie Geschäftsführerin Georgia Tornow sagte. Zur 60. Berlinale im Februar 2010 soll der Grundstein gelegt werden, die Eröffnung des Boulevards im Sommer darauf erfolgen, vorerst mit 40 Sternen. Wer das sein wird, entscheidet eine Jury, ebenso über die späteren Sterne. Sieben bis zehn sollen pro Jahr folgen, jeweils im Sommer bei einer Feier.

Ausstellung bis 19. Juli, Di bis So 10 – 18 Uhr, Do bis 20 Uhr. Eintritt frei.

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