Potsdamer Platz : Zentraler Spaß

Jubiläum: Das Stadtviertel am Potsdamer Platz feierte zehnten Geburtstag – und nicht nur prominente Gäste gratulierten.

BerlinWas war da in den Feuilletons so mancher Zeitung gelästert worden, als das neu entstandene Stadtviertel Potsdamer Platz am 2. Oktober 1998 der Öffentlichkeit übergeben wurde – dass dieser Platz immer artifiziell bleiben würde, dass er nie mit Leben zu füllen sei. Jetzt, beim zehnjährigen Jubiläum, konnten Bauherren und Architekten von einst und der heutige Besitzer, die schwedische Immobiliengesellschaft SEB, gemeinsam feststellen: Keine der negativen Prognosen hat sich erfüllt. Der italienische Architekt Renzo Piano, der den Masterplan entworfen hatte, war darüber genauso glücklich wie seine ebenfalls am Potsdamer Platz engagierten Kollegen Hans Kollhoff und Ulrike Lauber. Der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann rühmte den städtebaulichen Erfolg. Ihm stimmte Ex-Daimler-Chef Edzard Reuter, ohne den es das Projekt nicht gegeben hätte, zu. ZDF-Hauptstadtbüroleiter Peter Frey als Moderator hatte eine strahlende SEB-Chefin Barbara Knoflach an der einen und den nicht weniger zufriedenen früheren Finanzvorstand von Daimler, Manfred Gentz, an der anderen Seite. Und Dieter Kosslick, dessen Berlinale zur prominenten Bespielung des Platzes beiträgt, sah sein Festival schon von lauter neuen Sponsoren gefördert.

Auch der Besuch der Berliner und Touristen am Sonnabend in dem Stadtviertel zeigte: Die Anziehungskraft des Viertels zwischen Potsdamer Platz und Marlene-Dietrich-Platz ist ungebrochen. Dutzende Menschen standen Schlange, um mit dem Aufzug auf die Aussichtsplattform des Kollhoff-Hochhauses zu fahren – ausnahmsweise war der Spaß unentgeltlich zu haben. Oder sie nahmen an Führungen teil, um einmal hinter die Kulissen des Viertels zu gucken. So ließen sie sich zum Beispiel die Vorführräume des 19-Säle-Kinos Cinemaxx zeigen. Oder sie wanderten durch die Ver- und Entsorgungszentrale im Untergeschoss der Häuser. Auf der Alten Potsdamer Straße malten Künstler auf großen Postern Kreidegemälde mit Szenen aus der Geschichte des Areals, und Stadtbilderklärer erzählten aus den unterschiedlichen Epochen – in der gebotenen Kürze und historisch verknappt. In den Potsdamer-Platz-Arkaden konnten die Kinder es den Künstlern draußen gleichtun und malten ihre Sicht auf den Potsdamer Platz auf die großen ausliegenden Posterflächen, während die erwachsenen Gäste Schlange vorm SEB-Glücksrad standen.

Der von Renzo Piano als Freilichtbühne angelegte Marlene-Dietrich-Platz war logistisch wieder zum Zentrum der Feier geworden, mit Bühne für die Show. Am Nachmittag beschallte eine DJane die Gäste mit flotten Sounds; auf dem weiteren Programm stand unter anderem die Frauen-Combo „Monrose“, ehe das Jubiläum am späten Abend mit einem Feuerwerk über den Dächern des Potsdamer Platzes zu Ende ging.

„Ist ja super, was einem hier alles geboten wird“, sagte Irene Kaltenbrunner aus dem Schwarzwald und knabberte genüsslich an einem Linzer-Törtchen, das sie gerade an einem der Stände auf dem Potsdamer Platz erstanden hatte. Dass dieser Rummel zum Tourismus-Werbefest des Elsass und nicht zum Platz-Jubiläum gehörte, hatte sie gar nicht bemerkt – sie freute sich, dass sie während ihrer Vier- Tage-Reise an die Spree „im fernen Berlin ein bissl was aus der Heimat zu knabbern bekommt“. Heimat? Ja, sagte sie, „das Elsass liegt bei uns gleich um die Ecke“. Sie machte es wie Hunderte andere Schaulustige und bummelte weiter über den Rummel, der gestern nicht der einzige war. Auch auf der Straße des 17. Juni ging der Bühnen- und Budenzauber, flankiert von der allgegenwärtigen Werbung einer weltumspannenden Einheitsbrause, am Sonnabend weiter. Und weil die Besucher den Rummel in der Innenstadt augenscheinlich so lieben, kündigte sich auf Plakaten der nächste an. Ab 1. November gibt’s wieder eine österreichische „Winterwelt“ am Potsdamer Platz. (apz/oew)

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