Praktikanten-Streik : Aufstand der Gesichtslosen

Praktikanten streiken am Freitag auf dem Potsdamer Platz, zum ersten Mal an einem Werktag in Deutschland. Sie wollen Gleichgesinnte aus ihrer Mutlosigkeit aufrütteln - genau die könnte aber zum Problem werden.

Annegret Ahrenberg
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Austauschbar. Das Symbol dafür - die Maske - übernehmen die Streikenden von den französischen Praktikanten. -Foto: promo

Die Recherche ist nicht erledigt, die Unterlagen sind nicht sortiert, hier fehlen die Kopien, dort ist niemand, der die Kamera hält, und die E-Mails werden nicht versendet.

So soll es am Freitag aussehen in den Unternehmen Berlins – wenn die Praktikanten auf dem Potsdamer Platz stehen und streiken. "Wir sind fertig mit dem Studium, arbeiten megaviel und bekommen trotzdem höchstens 400 Euro im Monat“, beklagt Anna Mauersberger, eine der acht jungen Leute, die den Streik organisieren. Anna, Tobias, Robin, Anne, Ulrike, Teresa, Sofia und Frauke, alle zwischen 25 und 30 Jahre alt, sind Berufseinsteiger, denen der Einstieg in den Beruf nicht gelingt.

Generation Praktikum: Das Problem wird immer größer



Anna, 27, macht zurzeit ein Praktikum bei der "taz“. Es ist bereits ihr viertes Praktikum seit ihrem Diplom in Politikwissenschaft vor einem Jahr – zusätzlich zu den drei während des Studiums. Sie will eine Stelle bei einer Zeitung oder im Kulturbetrieb arbeiten. Aber wenn sie sich bewirbt, hört sie immer die gleichen Worte: "Einen Job können wir Ihnen nicht bieten, aber Sie können gerne ein Praktikum machen.“

Das Thema ist nicht neu. Seit fünf Jahren geistert die "Generation Praktikum“ durch die Medien. Das Ergebnis: Jeder, der seinen Praktikanten-Status offenbart, stößt auf mitleidige Gesichter. Das Problem ist hingegen nicht kleiner geworden - im Gegenteil.

"Denn zwei Phänomene treffen jetzt zusammen: der wirtschaftliche Einbruch und die verkorkste Bologna-Reform", meint der Wirtschaftswissenschaftler und Personalexperte Christian Scholz. "Die Unternehmen haben zum einen Angst davor, noch tiefer in die Krise zu schlittern und zum anderen sind sie skeptisch gegenüber den Bachelor-Absolventen, die schon nach drei Jahren fertig mit dem Studium sind.“

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Kaffee kochen? Das war einmal. Praktikanten ersetzen häufig Vollzeitstellen. -Foto: dpa

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