Preisgala : Vorsicht, Kamera!

Zur Preisgala der „Hörzu“ kamen gestern zahlreiche Prominente. Trophäen gab es unter anderem für Kylie Minogue und Hilary Swank.

Elisabeth Binder
Kylie Minogue
Kylie Minogue. -Foto: ddp

Auch im Leben von Legenden gibt es tote Phasen, in denen der Applaus fehlt, das Scheinwerferlicht, die fühlbare Bewunderung für eine außerordentliche Lebensleistung. Wenn einmal im Jahr die Goldene Kamera von der Fernsehzeitschrift Hörzu verliehen wird, stehen oft Legenden im Rampenlicht, an die man länger nicht mehr gedacht hat.

Chuck Berry zum Beispiel, einer der Urväter des Rock'n’Roll, bewundert von den Rolling Stones, die selber am heutigen Donnerstag als Rock-Legenden zur Berlinale-Eröffnung kommen und noch Schulkinder waren, als Chuck Berry seine ersten Erfolge feierte. Der Mitbegründer einer ganzen Musikrichtung, ist jetzt 81 Jahre alt. Er gehörte zu denen, die gestern, bei der 43. Verleihung, die Goldene Kamera in der Ullstein-Halle in Kreuzberg für ihr Lebenswerk erhalten haben. Zur Gala, die von Thomas Gottschalk moderiert wurde, hatte sich internationale Prominenz wie deutsche Film- und Fernsehstars angesagt.

Die Goldene-Kamera-Verleihung ist traditionell ein Abend großer Emotionen, die bewusst inszeniert werden. Dazu gehörte auch der Film, der während der Gala gezeigt wurde. Er erzählte anrührende Passagen: Inge Meysel bei einer großen Verbeugung, der schon fragil wirkende Peter Ustinov mit seinem unvergleichlichen Lächeln, Rudi Carrell, wie er sich bewusst von seinem Publikum verabschiedet, so dass alle gerührt sind und doch kaum glauben können, dass da ein Sterbender steht.

Im Grunde handeln solche Abende von dem, was Menschen unsterblich macht: von großen künstlerischen Leistungen, davon, Krisen und dunkle Phasen überwinden zu können. Dafür erhielt Kylie Minogue ihre Goldene Kamera. Nach einer Brustkrebserkrankung schaffte sie ein Comeback in einer Branche, in der es auch darum geht, sexy und attraktiv zu sein. Wirkungsvoller kann man anderen kaum Mut machen, und obendrein sang sie noch live „In my Arms“.

Mit Robert De Niro und Hilary Swank hatte sich Hollywood gleich im Doppelpack angemeldet. Hilary Swank, die bereits zwei Oscars besitzt, bekam die Trophäe „wegen verblüffender Glaubwürdigkeit, die ihresgleichen sucht“. De Niro erhielt die Auszeichnung als „unangefochtener Meister in der Kunst, sich als Person völlig in einer Rolle aufzulösen“ oder, wie die Jury formulierte, der unter anderem Maybrit Illner und Jörg Pilawa angehörten: „Robert de Niro hat sich selbst unsterblich gemacht.“

Auch Alfred Biolek wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet, weil er „den Talk salonfähig gemacht, heitere Show mit ernsthaftem Gespräch gepaart hat und die Menschen in den Arm genommen hat“. Als Überraschungsgast für ihn kam Helen Schneider. Sie stand mit Biolek bereits vor 30 Jahren gemeinsam auf der Bühne. Als beste deutsche Schauspielerin wurde Ulrike Krumbiegel gekürt. Matthias Brandt siegte als bester deutscher Schauspieler. Er setzte sich gegen die ebenfalls nominierten Burghart Klaußner und Ulrich Tukur durch. Im Bereich Beste Unterhaltung gewann der Moderator Stefan Raab.

Auch die Jungs von Tokio Hotel konnten sich über eine Goldene Kamera freuen: Berlin rockt, auch als Ort für ein Generationentreffen. Es wird nicht das letzte in diesen Tagen sein: Die Gala zur Goldenen Kamera ist schließlich auch so was wie die Vorgruppe für den eigentlichen Star: die Berlinale.


 

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