Premiere : Familiensache im Renaissance-Theater

Ab Donnerstag stehen im Renaissance-Theater drei Verwandte auf der Bühne: Schauspieler August Diehl, sein Vater Hans Diehl und seine Frau Julia Malik.

Tina Gebler

Könnte er doch betreten in die Luft starren. Oder wenigstens mit Bein und Oberkörper wippen. Dem Schauspieler August Diehl, 33, wird gern eine Spur Wahnsinn in seinen Rollen nachgesagt. Gerade erst gab er einem Nazi-Major mit stechendem Blick in Quentin Tarantinos „Inglorious Bastards“ sein Gesicht. Doch nun sitzt er da und raucht in aller Seelenruhe eine Zigarette. An seiner Seite sitzt seine Frau und Schauspielerkollegin Julia Malik, 32, die mit Serien wie „Verliebt in Berlin“ bekannt wurde.

Gemeinsam mit seinem Vater Hans Diehl, 69, werden die beiden ab kommendem Donnerstag im Renaissance-Theater in Charlottenburg auftreten. Dass die halbe Familie zusammen auf der Bühne steht wäre aber „reiner Zufall“, meint Malik. Ursprünglich waren nur Hans und August Diehl engagiert, sie habe dann eine ausgefallene Schauspielerin ersetzt. „Auf der Bühne sehe ich Julia aber nicht als meine Frau, sondern als ihre Figur“, meint Diehl. Es mache einfach Spaß mit ihr zu spielen, aber es sei nicht anders als mit anderen Schauspielern. „Wir spielen andere Menschen und somit ist auch die Zärtlichkeit eine andere, eine fremde“, meint Malik. Seit 10 Jahren sind die beiden verheiratet, im Mai kam ihre Tochter Elsa-Augusta zur Welt.

Ein Stück familiärer Idylle ist Eugene O’Neills „Ein Mond für die Beladenen“ aber nicht. In Connecticuts ländlicher Einöde leben die verluderte Josie (Julia Malik) und ihr versoffener Vater Phil (Hans Diehl) auf einer ertraglosen Farm. Neben ihnen wohnt ihr Verpächter James Tyrone (August Diehl), ein ehemaliger Broadwayschauspieler, der ebenso dem Alkohol verfallen ist. Als James androht die Farm zu verkaufen, versucht Josie ihn verführerisch umzustimmen. Doch die beiden spüren plötzlich mehr als bloßes Verlangen, verbauen sich ihre Liebe aber mit den eigenen psychischen Problemen.

Erzählt wird die Geschichte in einer mondhellen Nacht im Suff. „Das Stück ist wie ein Rausch“, sagt August Diehl begeistert. „Viele trinken ja, um noch mehr Wahrheit zu finden.“ Theater solle ewig sein, nicht nur aktuell. Das Stück würde dem gerecht werden. „Es geht um Liebe, Sehnsucht und die Suche nach der wirklichen Identität“, erklärt Julia Malik. Fragen also, die besonders einen Schauspieler durchs Leben begleiten. Ob die beiden sich selbst am nächsten sind, wenn sie jemand anderes sind? „Wenn man jemandem spielt, oder sich auch nur mit jemandem unterhält, erfährt man natürlich etwas über sich“, meint Malik. Diehl nickt, tausende Erfahrungen habe er schon mit „diesen ganzen Typen“, die er gespielt hat, gemacht. Die Bühne sei ein grenzenloser Raum, man mache Dinge, die man sich sonst gar nicht trauen würde.

Während das Schauspieler-Ehepaar voller Faszination von der Schauspielerei redet, schreiben die Medien ihrem Töchterchen schon großartiges Talent zu. „Noch hat sie gar keine Zähne. Mit dem Sprechen ist es also eher noch schwierig“, sagt Malik belustigt. Tina Gebler

Premiere ist Donnerstag, 22.10. im Renaissance-Theater, Knesebeckstraße 100. Karten von 12 bis 48 Euro unter der Telefonnummer 31 24 202. Mehr Informationen im Netz: www.renaissance-theater.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar