Prenzlauer Berg : Benefizkonzert zum Holocaust-Gedenktag

Anlässlich des 65. Jahrestags der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2010 lädt Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) zu einem Benefizkonzert ein.

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Fünf Jahre hat er in Gestapohaft und im Konzentrationslager Sachsenhausen überlebt. Inzwischen ist der in Polen geborene Josef Kuzba 93 Jahre alt. Der Umgang mit der Erinnerung an den Terror der Nationalsozialisten hat ihn sein ganzes Leben begleitet. Am Mittwoch wird Kuzba zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus bei einem Konzert der Aktion Sühnezeichen von seinen Erlebnissen erzählen. Er ist einer der letzten Zeitzeugen, die über die Verbrechen in Sachsenhausen berichten können.

„Der 27. Januar ist ein ganz wichtiger Tag für mich“, sagt Kuzba. Seit Jahrzehnten hält er Kontakt zu anderen Holocaust-Überlebenden und organisiert gemeinsam mit Aktion Sühnezeichen Zeitzeugengespräche. „In Warschau gibt es nur noch sieben weitere Überlebende aus Sachsenhausen mit denen ich mich regelmäßig treffen kann“, erzählt er. Kuzba sagt das ohne verbittert zu klingen. Die Zeit könne man schließlich nicht anhalten. Wirklich Sorge bereite ihm vielmehr, dass die rechtsextreme NPD in zwei Landtage einziehen konnte. „Es ist mir unverständlich, dass es nach der entsetzlichen Nazizeit immer noch solche Leute gibt.“

An den Überfall der Deutschen auf Polen 1939 erinnert sich Kuzba noch genau. Der polnische Volksschullehrer ist an diesem Tag mit Freunden auf einer Radtour. Plötzlich fliegen deutsche Kampfbomber über ihre Köpfe hinweg und legten die Dörfer, durch die sie gerade gefahren waren, in Schutt und Asche. Die Wehrmacht will Kuzba verhaften, doch er wird gewarnt und kann fliehen. Doch Mitte Mai 1940, als er über die Slowakei nach Ungarn fliehen will, liefern ihn die slowakischen Behörden an die Gestapo aus. Einen Tag vor seinem 24. Geburtstag kommt er zusammen mit 500 anderen polnischen Männern ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Er muss mit ansehen, wie die Nazis tausende Häftlinge brutal ermorden. Seine Frau stirbt nach dem Warschauer Aufstand in Sachsenhausen. Erst am 5. Mai 1945 im Wald von Beelow wird Kuzba von den Alliierten befreit.

Heute Abend wird er, wie so oft, von seinem bewegten Leben erzählen. Anschließend folgt das musikalische Programm, gestaltet vom Collegium Musicum der Freien Universität und Technische Universität unter der Leitung von Manfred Fabricius. Trotz seines Alters nimmt Kuzba bald schon wieder die sieben Stunden Zugreise nach Berlin auf sich. „Im Moment stecken wir mitten in den Vorbereitungen für den 65. Jahrestag der Befreiung von Sachsenhausen im April“, erzählt er stolz. Zahlreiche ehemalige Häftlinge und Gäste aus ganz Europa, Israel, Kanada und den USA werden dann erwartet – viele von ihnen wahrscheinlich zum letzten Mal.

Benefiz-Konzert der Aktion Sühnezeichen: 19.30 Uhr in der Gethsemane-Kirche, Stragarder Str. 77. Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 8 Euro. www.asf-ev.de

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