Stadtleben : Prominente Wahlkampfhilfe

Generalsekretär des Zentralrats der Juden kandidiert in Berliner Gemeinde

Der Wahlkampf in der Jüdischen Gemeinde ist eröffnet. Am Sonntag verkündete Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland und Berliner Gemeindemitglied, dass er für die Wahl zur Repräsentantenversammlung am 25. November kandidieren wird. Er wolle „einen Beitrag leisten, um der Gemeinde wieder ein neues Gesicht zu geben“, sagte Kramer.

Das Bild, das die Gemeinde momentan abgebe, sei „eines der Machtkämpfe ohne Rücksicht auf Personen und Familien, ein Bild der sozialen Kälte, des Misstrauens zwischen Einwanderern und Alteingesessenen sowie des Kampfes zwischen Sozialhilfeempfängern und Wohlhabenden, und es ist auch ein Bild der Bespitzelungen von Mitarbeitern, der Hexenjagden und Inquisitionen.“ Der 39-jährige Kramer sieht sich als „Brückenbauer“ und möchte die Selbstständigkeit der Synagogengemeinden fördern.

Spätestens seitdem vor zwei Jahren die Gemeindebüros in der Fasanenstraße von der Polizei durchsucht wurden, sorgt man sich auch im Zentralrat der Juden um die Berliner Gemeinde. Denn sie ist mit knapp 12 000 Mitgliedern nicht nur die größte in Deutschland. Wegen ihrer exponierten Lage in der Hauptstadt hat sie auch eine Art Vorbildfunktion.

Der Zentralrat in Person der Vorsitzenden Charlotte Knobloch und ihrer beiden Stellvertreter Salomon Korn und Dieter Graumann versuchte gestern aber gleich, dem Eindruck entgegenzuwirken, Kramers Kandidatur sei der Versuch, quasi von oben in die Berliner Gemeinde hineinzuregieren. „Diese Kandidatur ist mit uns nicht abgestimmt“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemeldung von Knobloch, Korn und Graumann. „Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist nicht Partei bei den anstehenden Wahlen in Berlin und wird sich, wie bei allen anderen Wahlen in seinen Mitgliedsgemeinden, neutral verhalten.“

Stephan Kramer will für das Wahlbündnis „Atid“ („Zukunft“) antreten, das Lala Süsskind anführt und in dem etliche andere alteingesessene Berliner versammelt sind. Außerdem wollen sich Vorstandsmitglied Arkadi Schneidermann und sein Bündnis „Tacheles“ zur Wahl stellen, in dem vorwiegend eingewanderte, russischsprachige Juden vertreten sind. Die Gruppierung „Neue Namen“ tritt mit Kandidaten an, die bislang nicht politisch aktiv waren in der Gemeinde. Gideon Joffe, der jetzige Gemeindevorsitzende, will ebenfalls mit einer eigenen Liste kandidieren. Sein Vorgänger Albert Meyer schließt eine Kandidatur aus. Der frühere Gemeindevorsitzende Alexander Brenner und die Lehrerin Jael Botsch-Fitterling wollen jeweils alleine antreten. Botsch-Fitterling ist seit vielen Jahren im Gemeindeparlament vertreten. clk

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