Stadtleben : Prozess gegen mutmaßliche Schleuserbande

Unscheinbare Wohnungen in Treptow und Marzahn sollen den Schleusern als Versteck und Zwischenstation gedient haben: In einem Großverfahren wegen Menschenschmuggels im großen Stil stehen seit gestern sieben Vietnamesen und zwei Deutsche vor Gericht. Fünf von ihnen gelten als Mitglieder einer Bande, die von April 2005 bis Januar dieses Jahres zahlreiche Vietnamesen über Berlin nach Frankreich geschleust haben soll. Der Gewinn der Organisation lag laut Anklage bei 1,5 Millionen Euro.

Die vietnamesischen Angeklagten, sechs Frauen und ein Mann, sollen die illegal Reisenden in Berlin in Empfang genommen und die weitere Fahrt organisiert haben. Die Anklage listete gestern die Namen von Dutzenden Asiaten auf, die mit dem Auto oder einem Nachtzug von Berlin nach Paris gebracht werden sollten. Von hier sollte es zum eigentlichen Ziel gehen: Großbritannien. Dort hätten die Illegalen unter anderem beim Anbau von Cannabis in sogenannten Indoor-Plantagen mitarbeiten sollen. Für jede Schleusung habe die Bande etwa 22 000 US-Dollar kassiert. Der Polizei war im Januar ein Schlag gegen die Gruppe gelungen: Bei einem Großeinsatz mit 350 Beamten in Berlin, Brandenburg und Sachsen waren 27 Verdächtige festgenommen worden. Die meisten der Angeklagten im Alter zwischen 24 und 47 Jahren sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Nur eine Angeklagte wollte sich am ersten Prozesstag äußern. Die Berlinerin saß im November als Beifahrerin im Auto eines Mitangeklagten, in dem auf der Rückbank auch Vietnamesen mitfuhren. „Keinesfalls wusste ich, dass sie ausgeschleust werden sollten“, beteuerte die 24-Jährige. Sie sei nur mitgefahren, „um einmal in meinem Leben Paris und den Eiffelturm zu sehen“. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. K. G.

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