Pub Crawl : Berliner Ballermann

Sie kommen zum Feiern und Trinken – im Rudel. Touristen aus allen Teilen der Welt ziehen nachts durch Bars in den Szenekiezen.

Saskia Weneit
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Darauf einen Jägermeister. Und ein Foto als Erinnerung für Zuhause -Foto: dpa

Grölen, Lachen, Rufen, Klirren. Berlin ist eine Hochburg für feierwütige Touristen, die offenbar mit Vorliebe im Rudel auftauchen. Es ist eine laue Nacht, die kurzen Regenschauer zwischendurch stören wahre Partytouristen nicht. Weder die Engländer noch die Gruppen spanischer, italienischer oder französischer Touristen, die für dieses Wochenende nach Berlin gekommen sind. Oder Skandinavier: 14 Dänen sind unterwegs zur Oranienburger Straße, da soll man toll von Kneipe zu Kneipe ziehen können. Noch stehen sie aber an der Ecke Alte Schönhauser-/Weinmeisterstraße, der Stadtplan mit Partytipps flattert in der Hand von Cecilie. Die 23-Jährige aus Kopenhagen versucht sich als Guide für ihre Freunde in Partylaune. Klappt noch nicht so richtig, aber „Berlin ist ja auch so big“.

Das ist mit ein Grund, warum sie hier sind. Jede Menge Clubs und Kneipen, eine ausgelassene Partystimmung überall. Cecilie fächert sich mit dem Faltplan Luft zu und schwärmt: „Berlin ist eine Partycity.“ Begeistert sind die Dänen auch von den niedrigen Preisen in Clubs und Bars. Selbst dort, wo der einheimische Szenegänger keinen Fuß reinsetzen, geschweige denn etwas bestellen würde, finden sie es einfach nur „great“.

Szenenwechsel: Sie müssen doch in den Fotoautomaten passen. Die sieben Briten zwischen 17 und 22 Jahren drängen sich in das kleine Kabuff am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte. Die Bierflasche soll unbedingt mit aufs Foto, quietscht das einzige Mädchen. Sie schieben und quetschen sich, dann kommt der Blitz, sie jubeln. Das Feiern in Berlin soll ja festgehalten werden. Eben waren sie noch in der Erdbeerbar um die Ecke, fanden das aber nicht so lustig. Ihr nächstes Ziel ist das Kaffee Burger in der Torstraße.

Die englischen jungen Partypeople sind ganz aufgeregt; in ihrer Heimat, einem kleinen Nest in der Nähe von London, könnten sie sich nicht so ausgelassen von Club zu Club schieben. Bei einem Pub Crawl wollten sie nicht mitmachen, lieber eine Entdeckungstour in eigener Regie. So bleibt auch Zeit für Fotoautomaten. Beim Pub Crawl treffen sich Touristen aus aller Welt, um von einem Veranstalter organisiert von Kneipe zu Kneipe zu ziehen. Ziel ist: sich betrinken und feiern.

Zentraler Treffpunkt für die beliebten Touren ist der Hackesche Markt. Von dort erreicht man zahlreiche Kneipen zu Fuß, auch die in der Oranienburger Straße. Da wollen die Engländer vielleicht die nächste Nacht feiern, aber erst mal zieht es sie ins Kaffee Burger. Drinnen fühlen sie sich so, als würden sie nach Hause kommen. Hier feiert schon ein anderes Dutzend aus dem Vereinigten Königreich. Wie es ihnen hier gefällt? „Berlin, I love you“, grölt eine Gruppe junger Männer in Superman-T-Shirts und mit Strohhüten auf dem Kopf, die sich gerade vor der Tür ein bisschen Luft verschafft. Es herrscht eine Stimmung wie am berüchtigten Ballermann, Mallorcas Feiermeile. Sie prosten allen zu, egal wer vorbeikommt. Auch sichtlich genervten Berlinerinnen, die abschätzig zurückgucken. Berlin, du dickes B an der Spree, bist Anziehungspunkt geworden für massenhaft trinkwütige ausländische Touristen. Ob die Einheimischen das lautstarke Zuprosten auch so funny finden, ist den Partyjungs egal, sie feiern die „Best of Worldmusic Party“ im Kaffee Burger.

Auch im Friedrichshainer Simon-Dach-Kiez wird das crazy Feiern in Berlin festgehalten. Eine Horde Jungs, diesmal Spanier, grölt fürs Foto. Dann schmettern sie noch ein spanisches Lied. Die Simon-Dach-Straße sei großartig, eine Kneipe neben der anderen, erzählen sie. An jeder Ecke blitzt es, aber das ist kein Gewitter, sondern in Schnappschüssen verewigte Partystimmung. Dank der Reiseführer haben die Partytouristen inzwischen auch Friedrichshain zum Einstimmen entdeckt, nicht mehr nur Prenzlauer Berg und Mitte. Cheers.

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