Public Viewing : Schau’n mer mal

Tausende haben die ersten WM-Spiele vor Riesenleinwänden verfolgt – und das war erst der Anfang.

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Zusammenrücken, bitte. An den ersten beiden Tagen gab es wie hier im Astra noch freie Plätze. Beim heutigen Deutschlandspiel wird das anders. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Zusammenrücken, bitte. An den ersten beiden Tagen gab es wie hier im Astra noch freie Plätze. Beim heutigen Deutschlandspiel wird...

Seit Freitag hat die Stadt einen neuen Klang: Sie brummt nicht mehr, sie trötet. Viele tausend auswärtige und Berliner Gäste haben an den ersten beiden Tagen die Spiele der Fußball-WM im Freien verfolgt – auf einem der rund 50 großen Public-Viewing-Plätze oder vor einem der zahllosen Cafés und Kneipen mit Außenübertragung. Noch voller wird es garantiert am heutigen Sonntagabend, wenn Deutschland auf Australien trifft. Und lauter wohl auch.

Zwar haben längst nicht alle Fußballfans die laute Plastiktrompete Vuvuzela dabei, doch bereits am ersten Tag fühlten sich viele Public-Viewing-Teilnehmer schwer genervt: „Am liebsten würde ich schon nach der ersten Viertelstunde den Ton ausdrehen“, sagt Carsten Schlürat aus Friedrichshain, der sich abends zum Spiel Uruguay–Frankreich mit einigen Kumpels am „Beach at the Box“ an der Spree in Tiergarten verabredet hat. „Durch den monotonen Lärm kommt überhaupt keine Stimmung auf, zumindest keine gute“, sagt der 34-Jährige, und seine Freunde nicken dazu.

Doch das Dauerdröhnen bei der Übertragung hindert kaum jemanden, den ersten Turnier-Tag in lockerer Fußball- Freunde-Gemeinschaft zu feiern. Entspannt ist die Stimmung im gut besuchten WM-Quartier des Tagesspiegel und des Fußballmagazins „11 Freunde“ im Astra Kulturhaus in Friedrichshain. Während der Halbzeit wird hier gekickert und selbst gebolzt oder ein Blick auf das kleine WM-Museum geworfen. Auch eine Vuvuzela gibt es zum ersten Spiel zwischen Südafrika und Mexiko – eine einzige. Die stolze Besitzerin, ein kleines Mädchen, versucht nach Kräften ihr Bestes. Doch mehr als ein leises „pppffff“ klappt noch nicht.

Richtig voll ist es auch im Haus der Kulturen der Welt am Rand des Tiergartens, wo viele Südafrikaner und Angehörige der Südafrikanischen Botschaft feiern, sowie in den Strandbars rund um die Spree. Fußball-Fans treffen sich unter anderem in der Holzmarktstraße an der „Johannesburg 24“, die erst am Freitag geöffnet hat und zur angesagten „Bar 25“ gehört. Oder am Bundespressestrand am Humboldthafen, wo sich zum Start rund 1600 Zuschauer die ersten Spiele ansehen und danach eine lange After-Match-Party feiern. „Die Stimmung war super, und die paar Tröten haben auch nicht genervt“, resümiert Geschäftsführerin Johanna Ismayr-Wahlig. Wenn es im Laufe der WM doch mal zu viele Vuvuzelas werden sollten, müssten die Zuschauer sie eben an der Pforte abgeben. Einige hundert Meter weiter haben sich rund 2000 Besucher auf dem vor einer Woche eröffneten „Playground“ an der Invalidenstraße versammelt und genießen die Abendsonne vor der großen LED-Leinwand in den 400 Liegestühlen, auf großen Sitzkissen, Bänken und Decken. Zum Beachvolleyball-Spielen ist es den meisten an diesem Abend zu heiß.

Viel weniger Fußballfreunde sind allerdings raus zum offiziellen Fifa-Fanfest ans Olympiastadion gekommen. Auf dem Olympischen Platz verfolgen vor der riesigen Leinwand nur einige hundert Menschen die ersten Spiele. Dabei ist auf der vorläufigen Fanmeile, die erst am 23. Juni zum Brandenburger Tor zieht, Platz für maximal 35 000 Zuschauer. Da könnte heute Abend beim ersten Deutschlandspiel ein bisschen mehr drin sein.

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